Nach dem Tod eines 43-jährigen Einwanderers aus Marokko bei einem gewaltsamen Polizeieinsatz in Bologna haben die italienischen Behörden Aufklärung zugesagt. Das Innenministerium in Rom erklärte, man werde „völlige Transparenz“ walten lassen.
Was geschah in Bologna?
Der Mann war am Sonntag im Stadtteil Pilastro von zwei Polizeibeamten mit Handschellen gefesselt und zu Boden gedrückt worden. Obwohl er mehrfach um Hilfe rief, ließen die Beamten nicht von ihm ab. Kurz darauf starb er. Ein Nachbar filmte die gesamte Szene, die mehr als fünf Minuten dauert. Das Video zeigt, wie der Mann am Boden „Aiuto. Basta, basta!“ („Hilfe! Genug, genug!“) ruft, während die Uniformierten ihn weiter festhalten. Ein dritter Mann in Zivil hält ihn an den Knöcheln fest. Zwei Rettungssanitäter sind zu sehen, greifen jedoch nicht ein. Nach mehreren Minuten bewegt sich der Mann nicht mehr.
Reaktionen und politische Debatte
Der Fall sorgt in Italien für Schlagzeilen und Kritik am Vorgehen der Polizei, insbesondere aus der linken Opposition. Aus dem Lager der Rechtsregierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni wurden die Beamten verteidigt. Die Regierungspartei Lega erklärte, die Polizisten hätten ihre „Dienstpflicht“ getan. Der Vorfall ereignete sich, nachdem Nachbarn die Polizei wegen aggressiven Verhaltens des Mannes gerufen hatten. Beim Eintreffen der Beamten soll er gegen deren Streifenwagen geschlagen haben, woraufhin Pfefferspray eingesetzt und Handschellen angelegt wurden.
Ermittlungen und nächste Schritte
Die Leiche des Mannes, der seit mehr als 30 Jahren in Italien lebte, soll obduziert werden. Die Ermittler erhoffen sich Aufschluss über die Todesursache und prüfen, ob mögliche Vorerkrankungen eine Rolle spielten. Zudem wurde die Bodycam eines der beteiligten Beamten der Staatsanwaltschaft übergeben. Über disziplinarrechtliche Maßnahmen wurde zunächst nichts bekannt. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete, dass der Mann marokkanischer Herkunft war und von Nachbarn als aggressiv beschrieben wurde.



