Urteil im Vergewaltigungsprozess gegen Mette-Marits Sohn Høiby
Heute wird im wohl meistbeachteten Prozess der letzten Jahre in Norwegen das Urteil gegen Marius Borg Høiby, den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit, verkündet. Das Gericht in Oslo gibt den Richterspruch um 8.30 Uhr bekannt. Høiby stand im Frühjahr wegen Vergewaltigung, Gewalt und Drogen vor Gericht und könnte für Jahre ins Gefängnis müssen.
Wer ist Marius Borg Høiby?
Marius Borg Høiby ist der älteste Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit und ihrem Ex-Partner Morten Borg. Als er zwei Jahre alt war, lernte seine Mutter den norwegischen Kronprinzen Haakon auf einem Festival kennen. Høiby wuchs als Ziehsohn von Haakon und als großer Halbbruder von Prinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus auf. Er gehört zur Königsfamilie, aber nicht zum Königshaus und übernimmt keine offiziellen royalen Aufgaben. In der Vergangenheit sprach er offen über Drogensucht und psychische Probleme. Einen Beruf übt er nicht aus.
Die Anklagepunkte
Die Staatsanwaltschaft hat insgesamt 40 Anklagepunkte gegen Høiby erhoben und fordert eine Verurteilung in 39 Fällen. Die schwersten Vorwürfe sind vier Fälle von Vergewaltigung nach norwegischem Recht. Vier Frauen sollen betroffen sein. Høiby soll sie missbraucht und gefilmt haben, während sie schliefen. In einem Fall soll es zur Penetration gekommen sein. Diese Vorwürfe bestreitet er. Andere Taten hat er gestanden: Körperverletzungen, Drohungen, Verstöße gegen ein Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin, ein Drogendelikt und mehrere Verkehrsdelikte.
Auswirkungen auf die Königsfamilie
Der Skandal hat die norwegische Königsfamilie in einer ohnehin schwierigen Zeit schwer getroffen. Kronprinzessin Mette-Marit und Kronprinz Haakon hielten sich von der Gerichtsverhandlung fern, besuchten Høiby aber regelmäßig im Gefängnis. Die Kronprinzessin ist schwer krank und benötigt dringend eine neue Lunge. Zudem steht sie wegen ihrer Freundschaft mit dem US-amerikanischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein seit Monaten in der Kritik.
Der Prozessverlauf
Der Mammutprozess dauerte sieben Wochen von Anfang Februar bis Mitte März. Neben Høiby selbst traten zahlreiche Zeugen auf, darunter Ex-Freundinnen, Freunde, Nachbarn, Bekannte, Forscher und Kriminalbeamte. Fotos und Videos auf Høibys Handys spielten eine wichtige Rolle bei der Beweisführung. Hunderte SMS zwischen dem Angeklagten und den mutmaßlichen Opfern wurden verlesen, ebenso Internetsuchverläufe. Dabei wurden Details über Høibys Intimleben und sexuelle Vorlieben bekannt. Mehrfach klagte der 29-Jährige unter Tränen, die Medien würden ihn seit seiner Kindheit verfolgen, und nahm seine Eltern in Schutz.
Untersuchungshaft
Kurz vor Prozessbeginn hatte Høiby erneut gegen ein Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin verstoßen und wurde festgenommen. Die beiden hatten sich in den Monaten vor der Verhandlung intensiv getroffen, obwohl ein Besuchsverbot bestand. Mehrfach versuchte Høiby, aus der U-Haft freizukommen, notfalls mit elektronischer Fußfessel. Auch kurz vor der Urteilsverkündung versuchte er es unter Verweis auf den schlechten Gesundheitszustand seiner Mutter, jedoch ohne Erfolg.
Ablauf der Urteilsverkündung
Zunächst tragen die Richter eine kurze Zusammenfassung des Urteils vor, was voraussichtlich eine bis eineinhalb Stunden dauern wird. Anschließend wird das schriftliche Urteil der Presse übergeben. Anders als ursprünglich geplant wird Høiby nicht persönlich erscheinen: Aus gesundheitlichen Gründen darf er den Urteilsspruch per Video-Link aus dem Gefängnis verfolgen, wie das Gericht mitteilte.
Kommt Høiby ins Gefängnis?
Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung gehen davon aus. Die Anklage forderte sieben Jahre und sieben Monate Haft. Høibys Anwälte plädierten auf eineinhalb Jahre Haft für die gestandenen Straftaten und forderten Freispruch von den Vergewaltigungsvorwürfen. Beide Seiten wollen die Zeit in Untersuchungshaft von der Haftstrafe abziehen lassen.



