Vier Männer, darunter zwei Jugendliche, müssen sich ab dem 12. Oktober vor dem Landgericht Arnsberg verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, eine 33-jährige Frau in einem Wohnhaus in Soest über Monate hinweg gequält, erniedrigt, misshandelt und vergewaltigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft Arnsberg hat Anklage wegen „diverser Delikte zulasten einer Frau“ erhoben, wie eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Details zu den Angeklagten und den konkreten Tatvorwürfen nannte die Behörde nicht und verwies auf das laufende Verfahren.
Opfer halb nackt und gefesselt aufgefunden
Der Fall war bekannt geworden, nachdem ein Anwohner die Frau am 3. November spätabends halb nackt und gefesselt auf der Terrasse eines Reihenhauses entdeckt hatte. Der Zeuge alarmierte die Polizei. Die Frau war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr bei Bewusstsein und musste monatelang im Krankenhaus behandelt werden. Medienberichten zufolge, darunter der „Soester Anzeiger“ und der WDR, soll sich das Martyrium über mehrere Monate im Jahr 2025 hingezogen haben.
Das Landgericht Arnsberg hat zwölf Verhandlungstage angesetzt. Den vier Angeklagten werden unter anderem gefährliche Körperverletzung und Vergewaltigung vorgeworfen, „in unterschiedlicher Beteiligung“, wie das Gericht mitteilte. Zwei der Männer befinden sich in Untersuchungshaft, bei den beiden anderen handelt es sich um Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren.
Hauptverdächtiger ist 29 Jahre alt
Nach Informationen aus Justizkreisen ist der Hauptverdächtige ein 29-jähriger Mann, der mit seiner damaligen Lebensgefährtin und drei Kindern in dem Haus lebte. Die Lebensgefährtin und das spätere Opfer kannten sich offenbar bereits vor den mutmaßlichen Taten. Der 29-Jährige ist polizeibekannt, wie der WDR berichtete.
Das Haus in der ruhigen Reihenhaussiedlung wirkt unauffällig und steht inzwischen leer. Ein Polizeisiegel an einem Fenster weist auf den mutmaßlichen Tatort hin. Medienvertreter sind gelegentlich in der Straße zu sehen, Anwohner möchten sich nicht äußern.
Parallelen zum „Horrorhaus von Höxter“
Der Fall erinnert an das sogenannte „Horrorhaus von Höxter“, auch wenn es deutliche Unterschiede gibt. Dort waren Frauen auf einem Hof grausam gequält worden, zwei von ihnen starben. Wilfried W. wurde 2018 wegen Mordes durch Unterlassen zu elf Jahren Haft verurteilt, seine Frau zu 13 Jahren. Ende 2023 ordnete das Landgericht Paderborn zusätzlich Sicherungsverwahrung für Wilfried W. an. Das Paar hatte seine Opfer über Kontaktanzeigen auf den Hof gelockt.
Im Fall Soest war das Opfer nach Angaben aus Justizkreisen nicht dauerhaft eingesperrt, doch es kam immer wieder zu den angeklagten Gewalttaten. Viele Fragen bleiben bis zum Prozessbeginn offen.



