Zwölf Jahre Haft nach Brückeneinsturz in Genua mit 43 Toten
Zwölf Jahre Haft wegen Brückeneinsturz in Genua

Ein Gericht in Genua hat den früheren Chef von Italiens Autobahngesellschaft, Giovanni Castellucci, wegen des Einsturzes der Morandi-Brücke zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Bei der Katastrophe am 14. August 2018 kamen 43 Menschen ums Leben. Der 66-Jährige sitzt bereits wegen eines anderen tödlichen Unglücks im Gefängnis.

Die Katastrophe im Hauptverkehr

Am 14. August 2018 um 11.36 Uhr stürzte die Ponte Morandi in Genua auf einer Länge von 200 Metern ein. Die Fahrbahn riss Autos und Lastwagen 45 Meter in die Tiefe. Grund war nach einem Expertenbericht mangelhafte Wartung der 1967 eröffneten Schrägseilbrücke. Neben den Autofahrern starben auch mehrere Menschen am Boden, die von herabstürzenden Betonteilen erschlagen wurden. Es gab 16 Verletzte. Etwa 600 Anwohner verloren ihr Zuhause, mehrere Häuser mussten abgerissen werden.

Prozess gegen 57 Beschuldigte

Der Prozess dauerte vier Jahre. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen Castellucci 18 Jahre und 6 Monate Haft gefordert. Sie legte ihm zur Last, bereits seit 2009 von Mängeln gewusst zu haben. Die Anklage beschrieb ihn als Alleinherrscher, der das Unternehmen wie sein „Königreich“ geführt habe. Wichtiger als eine sichere Infrastruktur sei ihm der Profit gewesen. Die Verteidigung sprach von einem nicht erkennbaren Konstruktionsfehler an einem der Pfeiler. Castellucci selbst sagte: „Ich fühle mich verantwortlich, aber nicht schuldig.“

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Auswirkungen auf die Stadt und die Familie Benetton

Weil die Brücke die wichtigste Lebensader zwischen Hafen, Flughafen und Zentrum war, war Genua zwei Jahre lang praktisch in zwei Hälften geteilt. Seit August 2020 steht an derselben Stelle eine neue Brücke, entworfen von Stararchitekten Renzo Piano, mit 43 Lichtmasten für jedes Todesopfer. Der Einsturz führte auch dazu, dass die Unternehmerfamilie Benetton die Kontrolle über das Autobahnnetz verlor. Der Staat erzwang eine Rückverstaatlichung der Betreibergesellschaft. Castellucci war erst ein Jahr nach der Katastrophe zurückgetreten – gegen eine Abfindung von 13 Millionen Euro. Bereits zuvor war er wegen eines Busunglücks auf einer anderen Autobahn zu sechs Jahren Haft verurteilt worden, bei dem 2013 in Süditalien 40 Menschen starben.

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