Ahmad Abubakar Osman teilt sich ein 16 Quadratmeter großes Zimmer mit seinem Bruder in einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Marzahn. Seit 20 Jahren lebt der 30-jährige Sudanese in Camps und Unterkünften – zunächst 18 Jahre in einem Camp in Kenia, nun in Deutschland. „Ich habe nichts zu tun“, sagt Osman. Die ewige Perspektivlosigkeit prägt seinen Alltag.
Vom Sudan nach Kenia: 18 Jahre im Camp
Osman floh als Kind aus dem Sudan. Im Alter von zehn Jahren erreichte er ein Flüchtlingscamp in Kenia. Dort verbrachte er den Großteil seines Lebens – ohne Aussicht auf eine dauerhafte Lösung. Nach 18 Jahren wurde er nach Deutschland überstellt. Doch auch hier fand er keine Stabilität.
Ankunft in Berlin-Marzahn: Neue Unterkunft, alte Probleme
Seit seiner Ankunft in Deutschland lebt Osman in einer Unterkunft im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Die 16 Quadratmeter teilt er mit seinem Bruder. Der Alltag ist von Langeweile und Warten geprägt. „Ich möchte arbeiten, aber ich habe keine Papiere“, erklärt er. Ohne Arbeitserlaubnis bleibt er auf staatliche Unterstützung angewiesen.
Die psychischen Folgen jahrelanger Unsicherheit
Experten warnen vor den Folgen dauerhafter Perspektivlosigkeit. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) leiden 45 Prozent der Geflüchteten in Langzeitunterkünften unter depressiven Symptomen. Osman bestätigt: „Man fühlt sich wertlos. Die Zeit vergeht, aber nichts ändert sich.“
Integration und Bürokratie: Hürden auf dem Weg in die Gesellschaft
Osman hat einen Schulabschluss aus Kenia und spricht Englisch. Doch die bürokratischen Hürden in Deutschland sind hoch. Asylverfahren dauern oft Jahre. Ohne Aufenthaltstitel ist der Zugang zu Arbeit und Ausbildung blockiert. „Ich habe Hoffnung, aber sie schwindet jeden Tag“, sagt er.
Gesellschaftliche und politische Dimension
Die Situation von Langzeitgeflüchteten wie Osman ist auch ein politisches Thema. In Berlin fordern Migrantenorganisationen schnellere Verfahren und mehr Integrationsangebote. Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf steht dabei besonders im Fokus, da hier viele Flüchtlingsunterkünfte konzentriert sind. Die Bezirksbürgermeisterin kündigte an, mehr Sprachkurse und Beratungsangebote bereitzustellen. Ob das Osman helfen wird, bleibt offen.
Ein Leben im Wartestand: Osmans Alltag heute
Osmans Tag beginnt mit dem Frühstück in der Gemeinschaftsküche. Danach geht er oft spazieren oder liest. Abends schaut er mit seinem Bruder Filme. „Ich versuche, den Tag zu überstehen“, sagt er. Die Zukunft bleibt ungewiss. „Ich wünsche mir nur ein normales Leben – einen Job, eine eigene Wohnung, eine Familie. Aber ich weiß nicht, ob das jemals passieren wird.“



