Ein junger Kanadier reiste als Tourist nach Georgien und sitzt seitdem im Gefängnis – wegen seines verschreibungspflichtigen ADHS-Medikaments Adderall. Der 22-jährige Simon R. konnte am Flughafen kein Rezept vorlegen, woraufhin er festgenommen wurde. Ihm drohen nun bis zu 20 Jahre Haft.
Hintergrund des Falls
Simon R. wollte Georgien als Tourist besuchen, doch die Reise endete bereits bei der Ankunft. Er führte sein ADHS-Medikament Adderall mit sich, das in Georgien als Betäubungsmittel mit hohem Risiko eingestuft wird. Da er kein Rezept vorzeigen konnte, wurde er wegen Schmuggels und Drogenhandels angeklagt.
Familie kämpft um Freilassung
Simons Schwester Nika berichtete dem kanadischen Sender CBC, dass ihr Bruder seit zwei Monaten im Gefängnis Gldani nördlich von Tiflis festgehalten wird. Die Familie hat das Rezept nachgereicht, doch die georgischen Behörden akzeptierten es nicht. „Er wurde zusammen mit seinem Freund sieben Stunden lang verhört, bevor sie getrennt wurden. Danach hatten wir 48 Stunden lang überhaupt keinen Kontakt mehr zu ihm“, sagte Nika. Die Familie sei extrem verunsichert gewesen.
Rechtliche Lage in Georgien
Nach georgischem Recht gilt Adderall, das Amphetamine enthält, als Betäubungsmittel mit höchsten medizinischen und sozialen Risiken. Bei einer Verurteilung drohen Simon R. bis zu 20 Jahre Haft sowie eine hohe Geldstrafe. Seine Schwester bezeichnete die Situation als „völlig verrückt“. Ein Sprecher des kanadischen Außenministeriums bestätigte, von dem Fall zu wissen und mit den georgischen Behörden in Kontakt zu stehen.
Haftbedingungen und Urteilsverkündung
Laut einer GoFundMe-Spendenaktion soll die Urteilsverkündung am 25. Juni stattfinden. Die Haftbedingungen sind hart: Simon teilt sich eine Zelle mit fünf verurteilten Häftlingen und darf nur 30 Minuten pro Tag im Freien verbringen. Seine Mutter, die drei Kinder allein erzieht, ist durch die Situation stark belastet.
Warnung des Auswärtigen Amtes
Das Auswärtige Amt warnt auf seiner Website vor den rechtlichen Besonderheiten in Georgien: „Bei der Einfuhr narkotischer oder psychotroper Stoffe für den medizinischen Eigenbedarf ist erhöhte Vorsicht geboten, um einen eventuellen Straftatbestand nach georgischem Recht zu vermeiden.“ Seit Juli 2025 wird sogar der Besitz geringer Mengen Cannabis mit bis zu sechs Jahren Haft bestraft.



