Ende 2025 verriegelt Australien eine digitale Tür: Wer jünger als 16 Jahre ist, hat laut Gesetz in sozialen Medien nichts mehr verloren. Auch in Deutschland fordern Stimmen wie Bildungsministerin Karin Prien (CDU) ein Verbot für unter 13-Jährige. Ein Blick nach Australien zeigt jedoch: Drei Monate nach dem Bann hält eine Studie im „British Medical Journal“ fest, dass über 85 Prozent der 12- bis 16-Jährigen weiterhin mindestens einen Account besitzen. Ihre tägliche Nutzungsdauer von zweieinhalb bis vier Stunden blieb unverändert zur Zeit vor dem Verbot.
Gesetz oder Durchsetzung – was ist gescheitert?
Die Studie wirft die Frage auf, ob das Gesetz selbst oder seine Durchsetzung durch die Plattformen versagt hat. Fachleute, die die Studie unabhängig bewerten, sind uneins. Einige argumentieren, dass die Plattformen keine wirksamen Altersverifikationen implementiert haben. Andere vermuten, dass Jugendliche einfach Wege finden, die Sperren zu umgehen, etwa durch geteilte Accounts oder VPNs. Die Autoren der Studie betonen, dass die bloße Existenz eines Verbots nicht ausreicht, wenn die technische Umsetzung lückenhaft ist.
Kinderschutz technisch erzwingen – ein Irrweg?
Eine weitere Interpretation der Ergebnisse ist, dass der Gedanke, Kinderschutz technisch durchsetzen zu können, grundsätzlich falsch sein könnte. Digitale Kompetenz und elterliche Begleitung könnten wirksamer sein als Verbote. Die Studie misst lediglich die Account-Nutzung, nicht aber die Qualität der Interaktion oder die Einhaltung von Altersgrenzen. Kritiker fragen, ob die Studie das Falsche misst: Nicht die Anzahl der Accounts, sondern die tatsächliche Exposition gegenüber schädlichen Inhalten sei relevant.
Deutsche Debatte im Schatten australischer Erfahrungen
In Deutschland wird die Diskussion um ein Social-Media-Verbot für Minderjährige durch die australischen Erfahrungen beeinflusst. Befürworter wie Karin Prien sehen in einem Verbot ein starkes Signal. Gegner verweisen auf die mangelnde Durchsetzbarkeit und die Gefahr, Jugendliche in unbeaufsichtigte digitale Räume zu drängen. Die australische Studie liefert nun empirische Daten, die beide Seiten für sich nutzen können. Klar ist: Ein reines Verbot ohne begleitende Maßnahmen wie Aufklärung und technische Standards scheint nicht zu wirken.



