Drehkreuz auf Wanderweg: Eintritt für Selfie-Hotspot Seceda sorgt für Streit
Drehkreuz auf Wanderweg: Streit um Eintritt für Seceda

Endlose Menschenschlangen vor der Seilbahn, zertrampelte Almwiesen, achtlos weggeworfener Müll und verärgerte Bauern: Die Bilder von der Seceda, einem der meistfotografierten Aussichtspunkte Südtirols mit Blick auf die Geislergruppe, gingen im vergangenen Sommer weit über Italien hinaus. Nun kehrt eines der umstrittensten Symbole des Kampfes gegen den Massentourismus zurück – das sogenannte Anti-Selfie-Drehkreuz.

Das Drehkreuz ist zurück

Mit dem Beginn der Sommersaison strömen wieder Tausende Urlauber in die Dolomiten. Besonders die Seceda oberhalb von Gröden zählt zu den beliebtesten Fotomotiven Südtirols. Um den Besucheransturm einzudämmen, soll der Zugang zum berühmten Aussichtspunkt jetzt über ein solarbetriebenes Drehkreuz geregelt werden. Der Durchgang kostet fünf Euro. Bezahlt werden kann die Gebühr sowohl mit Münzen als auch mit Karte. Das sorgt für Streit in der beliebten Urlaubsregion.

Das Drehkreuz war bereits im vergangenen Sommer aufgestellt worden und hatte international für Diskussionen gesorgt. Die Grundeigentümer wollten damit auf die Folgen des zunehmenden Touristenandrangs aufmerksam machen. Neben dem nun frisch geschotterten Wanderweg wurden jetzt erneut Schautafeln angebracht, die über die Arbeit der Bauern auf den Almen sowie über die Belastungen für Natur und Landschaft an touristischen Hotspots informieren. Herzförmige Holzrahmen wurden angebracht, sie sollen Besuchern als Fotokulisse dienen.

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Rechtliche Rahmenbedingungen

Die Eigentümer haben eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung namens „Seceda Pana“ gegründet. Diese soll der Verwaltung ihres als „Freilichtmuseum“ bezeichneten Areals einen rechtlichen Rahmen geben. Alle Tickets werden legal verkauft, behaupten sie. Auch wenn die Alpenvereine die Maut an der Seceda kritisch sehen, zeigen sie Verständnis: Die Massen müssten informiert und gelenkt werden.

„Es geht darum, den Ansturm an der Tal- und Mittelstation der Seceda-Seilbahn zu verhindern, wo im vergangenen Jahr Bilder von elendslangen Warteschlangen die Runde machten“, erklärt Landesrat Luis Walcher gegenüber der Südtiroler Tageszeitung „Dolomiten“. Maßnahmen seien notwendig, um gegen Müll, gestresstes Vieh, und zertrampelte Almen vorzugehen. Die Behörden warnen auch vor Touristen, die mit Sneakern und Selfiestick wirken, als wollten sie zum Aperitif in die Altstadt statt auf 2500 Höhenmeter.

Rechtlicher Streit um die Freiheit der Berge

Ob das Drehkreuz den Besucheransturm auf die Seceda tatsächlich bremsen kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Für den Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher ist das Drehkreuz unzulässig, da es sich in einem geschützten Gebiet befindet. Nun liegt es an Christoph Senoner, Bürgermeister der Gemeinde St. Christina, zu der das Seceda-Gebiet gehört, gemeinsam mit dem Amt für Naturparks und der Forstbehörde ein neues Verfahren in Zusammenhang mit dem Drehkreuz einzuleiten. „Die Bewegungsfreiheit in den Bergen ist unantastbar und muss geschützt werden. Wir befinden uns auf über 2000 Metern Höhe, mitten in einem Naturpark. Wir werden eine neue Ortsbesichtigung durchführen“, sagte Senoner. Der Kampf um das Drehkreuz droht daher weiterzugehen.

Südtirols Tourismus genießt unglaubliche Popularität. So hat die Provinz Bozen 2025 erneut einen Rekord eingefahren, mit mehr Gästen und mehr Nächtigungen. So verzeichneten die Beherbergungsbetriebe im vergangenen Jahr 9,1 Millionen Ankünfte und 38,2 Millionen Übernachtungen. Gegenüber 2024 entspricht das einem Plus von 3,9 Prozent bei den Ankünften und 3,1 Prozent bei den Übernachtungen.

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