Die holländische Polizei hat nach fast drei Jahren das Rätsel um menschliche Leichenteile gelöst, die an der westfriesischen Urlaubsinsel Texel angespült wurden. Die Überreste stammen von zwei afghanischen Männern im Alter von 20 und 27 Jahren, die vermutlich bei dem Versuch, den Ärmelkanal zu überqueren, ums Leben kamen. Die Identifizierung gelang durch eine komplexe internationale Zusammenarbeit, bei der ein Mobiltelefon mit französischer SIM-Karte sowie DNA-Vergleiche des Internationalen Roten Kreuzes die entscheidenden Hinweise lieferten.
Schockfund am Strand von Texel
Im Oktober 2023 entdeckten Spaziergänger am Strand von Texel einen bekleideten Unterleib mit Oberschenkel. Kurz darauf wurde ein abgetrennter Fuß in einem Schuh gefunden. Die stark verwesten Überreste ließen zunächst viele Fragen offen: Wer waren die Toten? Wie kamen sie um? Handelte es sich um ein Verbrechen? Die Polizei begann eine mühsame Detektivarbeit. Der einzige brauchbare Hinweis war ein Mobiltelefon mit französischer SIM-Karte und Restdaten, das in der Hosentasche eines der Toten steckte.
Laboranalysen ergaben, dass die Leichenteile von zwei verschiedenen Männern stammten. Die DNA-Proben führten jedoch zunächst nicht weiter, da sie keiner vermissten Person zugeordnet werden konnten. Die Ermittler vermuteten, dass die Toten Bootsflüchtlinge waren, die bei der Durchquerung des Ärmelkanals in Richtung Großbritannien verunglückt waren.
Spur führte zu Hilfsorganisationen
„Mithilfe von Journalisten nahm die Polizei Kontakt zu Hilfsorganisationen rund um den Ärmelkanal auf“, berichtete der regionale Nachrichtensender NH Nieuws. Diese Organisationen brachten die Ermittler schließlich auf die Spur zweier Migranten aus Afghanistan, die als vermisst galten. Die Profile der beiden Männer – 20 und 27 Jahre alt – passten zu den gefundenen Überresten. Um endgültige Gewissheit zu erlangen, schaltete die Polizei das Internationale Rote Kreuz ein.
Mitarbeiter des Roten Kreuzes nahmen von Familienangehörigen der Vermissten DNA-Vergleichsproben. Diese wurden mit den in den Niederlanden vorhandenen Proben abgeglichen. Eine Untersuchung bestätigte, dass die Männer tatsächlich die Gesuchten waren. Die Leichenteile waren zuvor auf der Insel anonym beigesetzt worden.
Polizei zeigt Erleichterung über Klarheit
„Wir wissen, was es mit den Menschen macht, wenn das Schicksal ihrer Angehörigen ungewiss ist. Eine solche Suche kann sich endlos hinziehen. Wir sind froh, dass wir diesen Menschen das ersparen und ihnen Gewissheit geben konnten“, zitierte der Nachrichtensender NH Nieuws einen Polizeisprecher. Die Identifizierung beendet eine lange Zeit der Ungewissheit für die Familien der beiden Afghanen.
Seit Jahren treiben immer wieder Habseligkeiten von Bootsflüchtlingen – darunter Rucksäcke und Kleidung – durch die Gezeiten- und Küstenströmungen der südlichen Nordsee von der Region um Calais entlang der Küstenlinie nach Nordosten. Diese werden schließlich an den Stränden von Texel und anderen Orten in Nordholland angespült. Der Fund der Leichenteile war ein trauriges Beispiel für die Gefahren, die Migranten auf der Fluchtroute über den Ärmelkanal eingehen. Die Polizei hofft, dass der Fall nun abgeschlossen werden kann.



