Razzia in Neuköllner Obdachlosen-Unterkunft: Verdacht auf Sozialbetrug
Razzia in Obdachlosen-Unterkunft: Verdacht auf Sozialbetrug

Eine großangelegte Kontrolle in einer Neuköllner Obdachlosen-Unterkunft hat schwerwiegende Unregelmäßigkeiten aufgedeckt. Bereits kurz nach sechs Uhr morgens trafen sich 35 Mitarbeiter von Sozialamt, Ordnungsamt, Gesundheitsamt, Wohnungsaufsicht und Jobcenter, unterstützt von der Polizei, um die Einrichtung an der Bürgerstraße zu überprüfen.

Nur 34 von 61 Bewohnern angetroffen

In dem Altbau nahe der Stadtautobahn waren offiziell 61 Bewohner gemeldet, deren Unterbringungskosten in der Regel vom Jobcenter übernommen werden. Bei der Razzia am Mittwoch wurden jedoch nur 34 Personen angetroffen. Zudem fehlte die vorgeschriebene Security – obwohl die Betreiberfirma dafür Kosten in Rechnung stellte. „Wir zahlen für eine Dienstleistung, die nicht erbracht wird“, kritisierte Sozialstadtrat Hannes Rehfeldt (39, CDU).

Ausreden und fehlende Schulpflicht

Die angetroffenen Bewohner zeigten sich wenig kooperativ. Eine Bewohnerin behauptete, ihr Mann sei in Rumänien im Urlaub und ihr Sohn auf einer Party. Andere Personen wurden angetroffen, die dort gar nicht gemeldet waren – einer gab an, „nur zu Besuch“ zu sein, obwohl er bereits bei einer früheren Razzia mit derselben Ausrede aufgefallen war. Besonders besorgniserregend: Ein siebenjähriges schulpflichtiges Kind wurde angetroffen, das laut seinen Eltern seit einem Jahr nicht mehr zur Schule gegangen war – mit der Begründung, es habe geweint.

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Ein angeblicher Arbeiter, der es eilig hatte, zur Arbeit zu kommen, war beim Jobcenter als arbeitslos gemeldet. Auf dem Hof des Heims stapelten sich Gerümpel und Bauabfälle.

Rehfeldt fordert strengere Kontrollen

Sozialstadtrat Rehfeldt betonte: „Langfristig muss Berlin weg vom Fokus auf gewerbliche Anbieter im Bereich der Obdachlosenhilfe und die Menschen in eigenen Einrichtungen unterbringen.“ Er forderte bessere Kontrollen der gewerblichen Betreiber, die verpflichtet seien, Abwesenheiten zu melden. „Das ist schließlich kein Hotel“, so der CDU-Politiker. „Es gibt genügend Menschen, die die Unterkunft wirklich brauchen.“

Zahlen zur Obdachlosenhilfe in Neukölln

Zum Stichtag 31. Januar 2025 waren in Berlin-Neukölln 3845 Personen in 48 Unterkünften untergebracht. Nur 18 Prozent von ihnen besaßen die deutsche Staatsbürgerschaft. 19 Prozent kamen aus Syrien, 17 Prozent aus Rumänien, gefolgt von Afghanen (11 Prozent) und Bulgaren (7 Prozent). Berlinweit waren zum selben Stichtag 53.610 Obdachlose untergebracht, darunter 44.665 Ausländer. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor.

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