In der Kleinstadt Biddeford im US-Bundesstaat Maine ist bei einer Aktion mit Beamten der Einwanderungsbehörde ICE ein Mensch getötet worden. Der Vorfall ereignete sich am Montag, wie der Sprecher des Repräsentantenhauses von Maine, Ryan Fecteau, auf Facebook mitteilte. „Die Staatspolizei und das Ministerium für öffentliche Sicherheit sind nun vor Ort, um Einzelheiten zu ermitteln“, fügte der aus Biddeford stammende Fecteau hinzu. Er erwarte zudem eine Untersuchung durch die Bundespolizei FBI.
Zweiter tödlicher Vorfall binnen weniger Tage
Stellungnahmen von ICE und dem US-Heimatschutzministerium lagen zunächst nicht vor. Die Polizei von Biddeford äußerte sich nicht dazu und verwies an die Einwanderungsbehörde selbst. Auch der Bürgermeister reagierte zunächst nicht auf Anfragen der Nachrichtenagentur Reuters. Biddeford hat gut 21.000 Einwohner und liegt rund 24 Kilometer südlich von Portland sowie 145 Kilometer nördlich von Boston. Es ist der zweite tödliche Vorfall dieser Art binnen weniger Tage. Am vergangenen Dienstag hatte ein ICE-Beamter in Houston im Bundesstaat Texas einen mexikanischen Staatsbürger bei einer Verkehrskontrolle erschossen.
Nach Angaben der Behörde hielt er sich seit mehr als drei Jahrzehnten illegal in den USA auf. Er habe ein Dienstfahrzeug mit seinem Lieferwagen gerammt und versucht, einen Beamten zu überfahren, woraufhin dieser in Notwehr geschossen habe.
Zweifel an Darstellung der Behörden
Angehörige und drei Augenzeugen widersprachen dieser Darstellung jedoch. Der dreifache Vater war als Bauarbeiter tätig und bemühte sich um eine Arbeitserlaubnis, wie Verwandte erklärten. Ein Anwalt von zwei der Zeugen erklärte am Freitag, dass deren Schilderungen im Widerspruch zur Darstellung der Behörde stünden. Diese legte zunächst keine Beweise für ihre Version vor.
In anderen Fällen im vergangenen Jahr wurden erste Angaben der Einwanderungsbehörde zum Schusswaffengebrauch durch Videoaufnahmen oder andere Beweise widerlegt, teils auch vor Gericht.
Hintergrund: Trumps verschärfte Migrationspolitik
Die Vorfälle ereigneten sich vor dem Hintergrund des anhaltenden Vorgehens von US-Präsident Donald Trump gegen illegale Einwanderung, das in mehreren Städten zu Protesten und Kritik von demokratischen Politikern geführt hat. Anfang des Jahres hatte das Vorgehen von ICE in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota für Empörung gesorgt, nachdem Beamte dort im Januar zwei US-Staatsbürger erschossen hatten. Die tödlichen Schüsse führten zu einer Eskalation der Lage und wochenlangen Protesten. Unter dem Druck der Demonstrationen fuhr die US-Regierung ihren umstrittenen Großeinsatz gegen illegale Einwanderung in dem Bundesstaat im Februar zurück und beendete ihn schließlich.
Trump hatte Ende Januar rund 3000 bewaffnete ICE-Beamte für die sogenannte „Operation Metro Surge“ entsandt.



