Rhein: Neue Tiefstände erwartet – NRW fordert Taskforce
Rhein: Neue Tiefstände erwartet

Der Rhein in Nordrhein-Westfalen erreicht neue historische Tiefststände. Bereits wenige Tage nach den bisherigen Rekordwerten prognostiziert das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein für Donnerstag und Freitag noch drastischere Pegelstände in Köln, Düsseldorf, Duisburg-Ruhrort und Emmerich. Der punktuelle Regen der vergangenen Nacht gleicht einem Tropfen auf dem heißen Stein – für eine Trendwende fehlt der flächendeckende Niederschlag.

DWD: Keine Entspannung in Sicht

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartete für die Nacht zu Mittwoch lediglich einzelne Schauer aus westlicher Richtung. Diese ziehen nach Angaben der Meteorologen in einem Streifen südlicher über NRW und bringen punktuell höhere Mengen. Für einen Anstieg des Rheinwasserspiegels wären jedoch langanhaltende Regenfälle in der Fläche erforderlich – die sind laut DWD vorerst nicht in Sicht. Der Juli war in NRW der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Vermessungsaktion gestartet

Angesichts des extrem niedrigen Wasserstands hat am Dienstagmorgen eine groß angelegte Vermessungsaktion begonnen. Schiffe des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein starteten an mehreren Orten gleichzeitig und fuhren stromabwärts. Ziel ist es, den Wasserspiegel über die gesamte Flussstrecke zu erfassen. Wie Sprecher Moritz Axt erklärte, helfen die Daten, Berechnungsmodelle für Wasserstände und Strömungsverhältnisse zu überprüfen. Zudem können Veränderungen der Flusssohle durch Erosion oder Ablagerungen erkannt werden. Die neuen Informationen seien wichtig für die Ermittlung der Fahrrinnentiefen für die Schifffahrt, so Axt.

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Schifffahrt mit stark reduzierter Ladung

Die Fahrrinne des Rheins ist deutlich tiefer als der Pegelstand am Ufer, variiert jedoch abschnittsweise. Frachtschiffe können weiter fahren, aber nur mit erheblich weniger Ladung. Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt weist auf den erheblichen Mehraufwand und Mehrkosten hin. „Je nach Ladung und Fahrtgebiet sind Schiffe mit weniger als einem Viertel der sonst üblichen Zuladung unterwegs“, berichtet der Verband. Die Güter müssten deshalb auf deutlich mehr Schiffe verteilt werden.

Politik berät über Maßnahmen

Für Donnerstag hat Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) zu einer Konferenz in Bonn eingeladen. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) fordert bereits die Einrichtung einer nationalen Taskforce mit Vertretern von Bund, Ländern, Kommunen und Logistikbranche. Er verlangt vom Bund Geld für den Fahrrinnen-Ausbau: „Mittelfristig müssen längst vereinbarte Projekte endlich auf den Weg gebracht werden“, sagte der Landesminister. Konkret müsse der Bund die Mittel für den weiteren Ausbau der Fahrrinne zwischen Duisburg und Köln bereitstellen.

Baureifer Abschnitt ohne Finanzierung

Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung kann nach Krischers Darstellung den baureifen zweiten Abschnitt zwischen Krefeld und Düsseldorf nicht umsetzen, weil die Bundesregierung 2025 die Mittel gestrichen hat. Der Ausbau soll den Rhein auch bei Niedrigwasser besser schiffbar machen. Laut NRW-Verkehrsministerium sollen dafür an einzelnen Stellen große Steine entfernt werden, die in die Fahrrinne ragen. Dadurch könnten Schiffe bei niedrigem Wasserstand mit größerer Ladung fahren, ohne auf Grund zu laufen. Der erste Bauabschnitt zwischen Duisburg und Krefeld ist bereits umgesetzt, der dritte zwischen Düsseldorf und Köln ist noch in Planung.

Wirtschaftsministerin: Rhein als Lebensader

NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) betonte: „Der Rhein war immer die Lebensader unserer Industrie.“ Eine Vertiefung der Fahrrinne von Basel bis Rotterdam sei keine Option, ergänzte eine Sprecherin ihres Ministeriums. Es gehe um punktuelle Projekte zur Beseitigung von Flach- und Engstellen, für die der Bund keine ausreichenden Mittel bereitstelle.

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