In Nordrhein-Westfalen starten pünktlich zum Schuljahresende die Zeugnistelefone. Sie bieten Eltern und Schülerinnen und Schülern Unterstützung bei rechtlichen Fragen rund um die Zeugnisvergabe, die in der Regel am Freitag ansteht. Trotz vergleichsweise geringer Nutzung entsteht jedes Jahr großer Gesprächsbedarf – vor allem bei schlechten Noten, drohender Nichtversetzung oder dem Wechsel auf eine neue Schule.
Wer kann die Zeugnistelefone nutzen?
Sowohl Eltern als auch Schulkinder können die Zeugnistelefone anrufen. Die Bezirksregierungen schalten halbjährlich für die Schulformen Realschule, Gymnasium, Gesamtschule, Sekundarschule, Gemeinschaftsschule und Berufskolleg eigene Leitungen. Für Grund-, Haupt- und Förderschulen bieten die kommunalen Schulämter ebenfalls halbjährlich Zeugnistelefone an.
Häufigste Anliegen: Noten und Versetzung
Die Dezernenten der verschiedenen Schulformen beraten die Anrufenden zu rechtlichen Fragen und Möglichkeiten, erklärten mehrere Bezirksregierungen. Typische Fälle sind: Unzufriedenheit mit dem Zeugnis, einzelne Noten, die schlechter ausgefallen sind als erwartet, oder die Mitteilung, dass eine Schülerin oder ein Schüler nicht versetzt wird.
„In vielen Fällen lautet der Rat, zunächst das Gespräch mit der Fach- und Klassenlehrkraft oder der Schulleitung zu suchen“, heißt es von den Bezirksregierungen. So könne geklärt werden, wie die Note entstanden ist. Nach der Zeugnisvergabe könne ein Gespräch die Note jedoch nicht mehr verändern. Wer eine Änderung bewirken will, müsse einen schriftlichen Widerspruch bei der Schulleitung einreichen.
Keine Seelsorge, aber psychologische Beratung
Die Mitarbeiter der Zeugnistelefone der Bezirksregierungen beraten ausschließlich zu rechtlichen Fragen. Darauf weist etwa die Bezirksregierung Düsseldorf hin, die wie andere Bezirksregierungen die Schulaufsicht ausübt. „Seelsorge für Anrufende mit Ängsten oder emotionalen Problemen kann die Schulaufsicht nicht leisten. Dafür bieten einige Städte psychologische Telefonberatungen an.“
Die Landeselternschaft der Realschulen betont: „Grundsätzlich sind die Schulen zunächst die ersten Ansprechpartner. Vor der Zeugnisausgabe können sich Eltern an die Klassenleitungen, Fachlehrkräfte oder die Schulleitung wenden.“ Dennoch gebe es Situationen, in denen Eltern eine unabhängige Einschätzung wünschten oder kurzfristig Informationen zu rechtlichen Rahmenbedingungen benötigten. „Hier schließen die Zeugnistelefone eine wichtige Lücke.“
Eltern sehen Probleme bei Unterrichtsausfall und chronischer Krankheit
Die Landeselternschaft der Gymnasien berichtet, dass Eltern die Angemessenheit von Zeugnisnoten bezweifeln, wenn etwa wegen Unterrichtsausfalls oder mehrfachem Wechsel der Fachlehrkraft Qualität und Quantität der schulischen Förderung zu wünschen übrig ließen. Chronisch kranke Schülerinnen und Schüler würden häufig nicht versetzt, obwohl sie leistungsbereit seien. Es fehlten Möglichkeiten für Leistungsnachweise, wenn Betroffene nicht täglich am Präsenzunterricht teilnehmen könnten.
Nach Eindruck der Landeselternschaft der integrierten Schulen LEiS-NRW hat der Beratungsbedarf zugenommen. Viele Eltern empfänden schulrechtliche Regelungen als kompliziert und wünschten sich verständlichere Informationen. „Aus den Rückmeldungen, die uns erreichen, zeigt sich außerdem, dass es häufig gar nicht die einzelne Zeugnisnote ist, die Fragen aufwirft. Vielmehr geht es darum, dass der Weg dorthin für Eltern nicht immer nachvollziehbar war.“
Wenn Leistungsbewertungen, Fördermaßnahmen oder Gespräche im Vorfeld nicht ausreichend transparent seien, entstünden Unsicherheiten, die sich spätestens mit der Zeugnisausgabe bemerkbar machten, erklärte LEiS-NRW.
Erreichbarkeit nach dem letzten Schultag
Sekretariat und Schulleitung sind nach den Erfahrungen der Landeselternschaft der Gymnasien üblicherweise in der ersten Ferienwoche noch zu erreichen. Auch die Landeselternschaft der Realschulen verweist darauf, dass viele Schulleitungen in der ersten Woche der Sommerferien noch in den Schulen erreichbar seien und Fragen beantworten oder bei der Klärung helfen könnten. „Viele Schulen benennen zwar Ansprechpartner, mit Beginn der Ferien sind diese jedoch häufig nur noch eingeschränkt erreichbar“, meint LEiS-NRW.



