Lärm-Windrad in Sachsen wird abgerissen: Einmaliger Fall in Deutschland
Lärm-Windrad in Oberwiera wird abgerissen: Einmaliger Fall

Nach monatelangen Lärmbeschwerden wird ein Windrad in Oberwiera (Landkreis Zwickau) vollständig zurückgebaut. Die drei Rotorblätter sind bereits demontiert, nur der knapp 170 Meter hohe Turm samt Maschinenhaus steht noch. Der Betreiber und der dänische Hersteller Vestas haben den Rückbau vereinbart, der als einmalig in der deutschen Windenergiebranche gilt.

Höchstes Windrad Sachsens nach kurzer Betriebszeit abgeschaltet

Das rund zehn Millionen Euro teure Windrad war Ende 2023 in Betrieb genommen worden und galt damals als höchste Windkraftanlage Sachsens. Schon kurz nach der Inbetriebnahme häuften sich jedoch Beschwerden von Anwohnern über einen permanenten Brummton, den sie mit Flugzeugturbinen verglichen. Ein Austausch des Getriebes brachte keine spürbare Verbesserung. Daraufhin einigten sich Betreiber und Hersteller auf den Rückbau. Zu den Kosten dafür machten beide Seiten keine Angaben. Normalerweise sind Windkraftanlagen für eine Betriebsdauer von rund 20 Jahren ausgelegt; der Abriss nach nur zweieinhalb Jahren ist daher außergewöhnlich.

Einmaliger Fall in der deutschen Windbranche

Dem Bundesverband Windenergie (BWE) zufolge sind in Deutschland fast 30.000 Windräder in Betrieb. Ein kompletter Rückbau aufgrund von Lärmbeschwerden sei bisher nicht bekannt, erklärte der Verband. „Beschwerden über von Windrädern ausgehende Störgeräusche kommen sehr selten vor“, teilte der BWE mit. Auch andernorts gibt es ähnliche Probleme, etwa in der Stadt Uhingen in Baden-Württemberg, jedoch ohne dass es zu einem vollständigen Abriss kam. Der Fall in Oberwiera sei daher einzigartig in Deutschland.

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Der Abriss selbst erfordert spezielles Gerät: Nach der Demontage der Rotorblätter per Kran müssen nun der Stahlturm und das Maschinenhaus mit der Gondel Stück für Stück abgetragen werden. Die Gesamtdauer der Arbeiten wird auf mehrere Wochen geschätzt.

Bürgermeister lehnt weitere Windräder ab

Der ehrenamtliche Bürgermeister von Oberwiera, Holger Quellmalz (CDU), kündigte bereits vor dem Abriss an, sich gegen weitere Windkraftanlagen in der rund 1.000 Einwohner zählenden Gemeinde zu wehren. „Ich möchte kein Windrad mehr in Oberwiera“, sagte er. Die Diskussion um Lärmemissionen von Windkraftanlagen hält in vielen Regionen Deutschlands an, während der Ausbau der erneuerbaren Energien politisch weiter vorangetrieben wird.

Der Fall zeigt, dass technische Probleme bei modernen Windenergieanlagen trotz fortschrittlicher Bauweise nicht ausgeschlossen sind. Branchenexperten rechnen damit, dass ähnliche Vorfälle künftig seltener werden, da Hersteller wie Vestas kontinuierlich an leiseren Rotorblättern und Getrieben arbeiten. Für die Gemeinde Oberwiera bedeutet der Abriss das vorläufige Ende eines umstrittenen Projekts, das vielen Anwohnern den Schlaf raubte.

Auswirkungen auf die Windenergie-Akzeptanz

Der Abriss des Windrades in Oberwiera könnte Signalwirkung haben: Während die Bundesregierung den Ausbau der Windenergie massiv vorantreibt, um die Klimaziele zu erreichen, zeigen solche Fälle, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung entscheidend ist. Lärmemissionen sind immer wieder ein Streitpunkt bei der Planung neuer Anlagen. Ein Sprecher des BWE betonte, dass die Technik stetig verbessert werde, um Geräusche zu reduzieren. Dennoch bleibe der Mensch oft ein limitierender Faktor: In unmittelbarer Nähe zu Wohnbebauung seien Windräder nur schwer durchsetzbar.

Technische Ursache des Lärms unklar

Die genaue Ursache des störenden Brummtones konnte trotz des Getriebewechsels nicht behoben werden. Experten spekulieren, dass es sich um sogenannte tonale Geräusche handeln könnte, die durch Resonanzen im Turm oder in den Rotorblättern entstehen. Solche Probleme sind selten, aber bei großen Anlagen nicht völlig ausgeschlossen. Der Hersteller Vestas hat laut Betreiber keine vergleichbaren Fälle in anderen Ländern gemeldet.

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Für die Zukunft hat Bürgermeister Quellmalz bereits klargemacht, dass er keine neuen Windräder in Oberwiera dulden werde. Ob dies rechtlich durchsetzbar ist, bleibt fraglich, da die Gemeinde im Regionalplan für Windenergie ausgewiesene Flächen hat. Der Abriss des lärmenden Windrades könnte jedoch die Position der Gegner stärken. In der sächsischen Landespolitik wird das Thema mit Interesse verfolgt, auch weil der Ausbau der Windenergie in Ostdeutschland oft auf Widerstand stößt.