Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Sachsen lehnt Windkraftanlagen im Wald grundsätzlich ab und fordert einen naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien. Hintergrund ist die Überarbeitung der Regionalpläne durch den Freistaat, um das gesetzliche Flächenziel von zwei Prozent der Landesfläche für Windenergie zu erreichen. Der Nabu Sachsen hat alle Planentwürfe geprüft und kommt zu dem Ergebnis, dass wichtige Anforderungen des Natur- und Artenschutzes in zahlreichen Fällen nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Zu viele Vorrangflächen würden in Waldgebieten liegen.
Planungsregion Oberlausitz-Niederschlesien besonders betroffen
Als Beispiel verwies der Nabu auf die Planungsregion Oberlausitz-Niederschlesien. Hier liegen 17 geplante Vorranggebiete im Wald. Damit ist dieses Gebiet von allen vier Planungsregionen (Leipzig-Westsachsen, Region Chemnitz und oberes Elbtal/Osterzgebirge) am stärksten betroffen. Bei 16 Standorten besteht das Risiko einer sogenannten Fallenwirkung für Tiere. Nach den Vorgaben des Bundes müssen die Landkreise bis Ende 2027 mindestens 1,3 Prozent ihrer Fläche als Standorte für Windenergieanlagen ausweisen, bis 2032 dann zwei Prozent.
Nabu sieht Potenziale in Städten ungenutzt
Der Nabu kritisiert, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien derzeit vor allem den ländlichen Raum belastet, während vorhandene Potenziale in den Städten vielfach ungenutzt bleiben. Laut einer Kleinen Anfrage im Landtag hatte Sachsen 2025 weniger als 100 Photovoltaik-Anlagen auf landeseigenen Dächern, drei PV-Anlagen an Fassaden und keine einzige über Parkplätzen oder anderen versiegelten Flächen installiert. „Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist unverzichtbar. Er muss jedoch naturverträglich erfolgen und die Belastungen zwischen Stadt und Land möglichst ausgewogen verteilen. Natur, Bevölkerung und Klimaschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, erklärte Nabu-Vorsitzende Maria Vlaic.
Wald schützt Klima und Artenvielfalt
Der Naturschutzbund verwies darauf, dass Wälder zu den wichtigsten natürlichen Klimaschützern gehören. „Sie speichern Kohlenstoff, kühlen ihre Umgebung, regulieren den Wasserhaushalt und mindern die Folgen von Hitze, Starkregen und Hochwasser. Gleichzeitig sind sie unverzichtbare Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.“ Für den Bau einer Windenergieanlage werden dauerhaft Flächen benötigt, unter anderem für Fundament, Kranstellflächen und Zuwege. Pro Anlage müsse etwa ein Hektar Wald gerodet und 0,5 Hektar dauerhaft baumfrei gehalten werden. Dadurch gingen wertvolle Waldflächen verloren, die ökologischen Funktionen des Waldes würden geschwächt.
Auch Landkreis Vogtland kritisiert Windkraft im Wald
Auch Vogtland-Landrat Thomas Hennig (CDU) sieht Windkraftanlagen im Wald äußerst kritisch. Der Planungsentwurf für den Vogtlandkreis sehe derzeit 34 Windenergiegebiete vor. 75 Prozent dieser Fläche lägen über dem Wald. „Geht man von durchschnittlich fünf bis zehn Windkraftanlagen je Gebiet aus, hieße das rein rechnerisch, dass im Vogtlandkreis insgesamt bis zu 340 neue Windräder gebaut werden könnten. Drei Viertel davon im Wald.“ Das sei unverantwortlich.



