Sachsens Landeskirche stoppt Bauprojekte für zwei Jahre
Sachsens Landeskirche stoppt Bauprojekte für zwei Jahre

Die Evangelische Landeskirche Sachsen (EVLKS) verhängt ein zweijähriges Baumoratorium in ihren Kirchgemeinden. Die Landeskirche wolle sich künftig „auf die langfristig für die Aufrechterhaltung des kirchgemeindlichen Lebens und die Erfüllung des Verkündigungsauftrags zwingend benötigten und finanzierbaren Gebäude“ konzentrieren, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur in Dresden.

Hintergrund des Moratoriums

Um Investitionen in Gebäude zu vermeiden, die künftig nicht mehr benötigt werden oder finanziert werden können, sollten genehmigungspflichtige Baumaßnahmen für zwei Jahre ausgesetzt werden. Demnach sollen Gebäudeleitfaden und Gebäudekonzeption der EVLKS überarbeitet werden mit dem Ziel einer „Verringerung der Gebäudelast“. Ein entsprechendes Rundschreiben war bereits im April an die Kirchgemeinden und Kirchbezirke gegangen. Die überarbeitete Gebäudekonzeption sei nötig „angesichts deutlich und anhaltend sinkender landeskirchlicher Mittel für Baumaßnahmen“, heißt es in dem Schreiben.

Umfang des Gebäudebestands

Der Bestand der Kirchgemeinden der Sächsischen Landeskirche umfasst rund 4.450 Gebäude. Er setzt sich aus circa 1.630 Kirchen, Kapellen und Friedhofskapellen sowie zahlreichen Pfarrhäusern und -höfen, Gemeindezentren, Wohnhäusern, Verwaltungsbauten, aber auch Kindertagesstätten und Schulen zusammen.

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Mit Veröffentlichung im nächsten Amtsblatt solle das Moratorium im Verlaufe der zweiten Jahreshälfte wirksam werden, teilt die EVLKS weiter mit. Ausgenommen sind diejenigen Baumaßnahmen, die bereits genehmigt wurden, sowie Notmaßnahmen und der laufende Gebäudeunterhalt.

Situation im Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz

Im Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz etwa stehen nach Angaben von Superintendent Sven Petry rund 120 Kirchen – manche davon werden nur noch wenige Male im Jahr für Gottesdienste genutzt. Einen riesigen Sanierungsbedarf gebe es aktuell nicht. Der Zustand der Gebäude sei gut. Dennoch: „Es wird mit unseren Kirchgebäuden in der Anzahl und in der Nutzung wie bisher in Zukunft nicht so bleiben können“, ist sich der Superintendent sicher. Die Frage sei, ob man das steuere – oder dem freien Spiel der Kräfte überlasse.

Nicht nur eine wirtschaftliche Entscheidung

Die Entscheidung für oder gegen ein Kirchengebäude sei nicht nur eine wirtschaftliche, so Petry. „Einerseits weiß ich: Kirchgemeinde entwickelt sich um den Kirchturm – die Kirche im Dorf, das ist für die meisten Menschen der Identifikationspunkt für ihre Zugehörigkeit zur Kirche.“ Gleichzeitig habe Kirche auch rein wörtlich mit Versammlung zu tun. Daher werde sich an manchen Orten die Frage stellen: „Bekommen wir das hin, uns an weniger Orten als bisher, aber wieder dann sichtbar zu sammeln?“ Andernfalls könne „Kirchlichkeit, gottesdienstliches Leben dann nach und nach schlicht verdunsten in der Fläche“, fürchtet der Superintendent.

Einbettung in den Reformprozess

Das Baumoratorium ist Teil des landeskirchlichen Reformprozesses „Kirche im Wandel“, mit dem die EVLKS ihre Strukturen neu aufstellen will. Hintergrund seien sinkende Mitgliederzahlen und damit rückläufige Kirchensteuereinnahmen sowie geringere Mittel aus dem innerkirchlichen Finanzausgleich; zudem gingen Drittmittel etwa aus Denkmalpflege und Denkmalschutz zurück, teilt die Landeskirche mit. Solange unklar sei, wie die Gebäudekonzeptionen in den Regionen künftig aussähen, solle kein Geld in Gebäude fließen, deren langfristiger Erhalt noch nicht gesichert sei, erläutert Sprecherin Tabea Köbsch den Grundgedanken.

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