Die Bundesregierung plant, den Unterhaltsvorschuss für Kinder ab 16 Jahren zu streichen. Bisher wird die staatliche Leistung bis zum 18. Geburtstag gezahlt. Familienministerin Karin Prien (CDU) begründet die Sparmaßnahme mit einer Vervierfachung der Ausgaben seit einer Reform im Jahr 2017. Im vergangenen Jahr gab der Staat rund 3,3 Milliarden Euro für den Unterhaltsvorschuss aus, wobei nur etwa 18 Prozent von säumigen Elternteilen zurückgezahlt wurden. Der Streit in der Koalition ist jedoch noch nicht beigelegt, und es werden Alternativen diskutiert.
Hintergrund: Steigende Kosten und geringe Rückholquoten
Der Unterhaltsvorschuss soll sicherstellen, dass Kinder von Alleinerziehenden nicht in finanzielle Not geraten, wenn der andere Elternteil keinen oder zu wenig Unterhalt zahlt. Der Staat springt ein, bleibt aber meist auf den Kosten sitzen. Laut aktuellen Zahlen gab es zuletzt fast 855.700 Fälle, in denen der Staat Unterhaltsvorschuss zahlte. Die Rückholquote von säumigen Zahlern, meist Vätern, liegt bei lediglich 18 Prozent. „Die Länder müssen die Beitreibung stärker forcieren und sie bündeln“, forderte Prien im NDR.
Kritik an den Sparplänen
Der Kinderschutzbund warnt vor einer „Vertiefung der Chancenungleichheit“ und bezeichnet die Pläne als „Skandal“. Prien hingegen argumentiert, dass in anderen europäischen Staaten Väter nicht derart gesetzlich entlastet würden. Die Koalition ist zerstritten: SPD-Vertreter wie der Kinderbeauftragte Truels Reichardt fordern kreativere Lösungen, bevor man bei den Familien kürze. „Bevor wir das nicht ausreizen und da mal kreativer und durchsetzungsfähiger werden gegenüber den Vätern, die zahlen könnten, aber rumtricksen, können wir doch nicht wirklich auf die Idee kommen, in diesem großen Stil bei den betroffenen Familien zu kürzen“, so Reichardt.
Alternativen aus dem Ausland: Beispiel Argentinien
Reichardt verweist auf ein Beispiel aus Argentinien: In Buenos Aires wird säumigen Vätern der Zutritt zu Fußballstadien und Massenveranstaltungen wie Konzerten verweigert. Bürgermeister Jorge Macrí erließ 2025 eine entsprechende Verordnung. „Wenn sie ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Kindern nicht nachkommen, dürfen sie auch nicht auf den Platz“, schrieb Macrí auf X. Die Stadtverwaltung übermittelte den US-Behörden eine Liste mit über 13.000 säumigen Zahlern. Reichardt betont, dass es nicht um eine eins-zu-eins-Übernahme gehe, sondern um kreative Ansätze, um säumige Unterhaltspflichtige zu treffen.
Ausblick: Gesetzentwurf und weiterer Streit
Ein Sprecher Priens kündigte einen Gesetzentwurf zur Umsetzung der Sparpläne an. Prien betonte, die Maßnahme sei nötig und ein gemeinsamer Beschluss aller Länder. Dies richtet sich wohl gegen die frühere Familienministerin Manuela Schwesig (SPD), die die Pläne ablehnt. Mit weiterem Gerangel ist zu rechnen. Reichardt fordert, vor einer Kürzung alle Möglichkeiten zur Rückforderung auszuschöpfen.



