Erdüberlastungstag: Menschheit braucht ab Donnerstag 1,73 Erden
Erdüberlastungstag: Ab Donnerstag auf Pump

Die Menschheit hat ab diesem Donnerstag sämtliche Rohstoffe aufgebraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren kann. Der sogenannte Erdüberlastungstag markiert den Zeitpunkt, ab dem wir ökologisch betrachtet auf Pump leben: Wir beanspruchen mehr Acker- und Weideland, Fischgründe und Wälder, als rechnerisch vorhanden sind, und stoßen mehr Kohlendioxid aus, als Ozeane und Wälder absorbieren können.

Um den tatsächlichen Bedarf der Weltbevölkerung zu decken, wären rechnerisch 1,73 Erden notwendig. Die Folgen der Übernutzung sind längst sichtbar: Entwaldung, degradierte Böden, Verlust der biologischen Vielfalt und steigende CO₂-Konzentrationen in der Atmosphäre, wie die Umweltorganisation WWF erklärt.

Deutschland schadet der Erde überproportional

Im vergangenen Jahr lag der Erdüberlastungstag noch am 24. Juli. Die Verschiebung um sechs Tage nach hinten ist nach Angaben des WWF überwiegend auf aktualisierte Daten zurückzuführen – nicht auf eine nachhaltigere Lebensweise der Menschheit. „Dass der Erdüberlastungstag dieses Jahr sechs Tage später liegt als 2025, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir weiterhin deutlich über die ökologischen Grenzen unseres Planeten hinaus wirtschaften“, warnt Björn Schulz, Experte für Kreislaufwirtschaft beim WWF Deutschland. „Tatsächlich wächst die Lücke zwischen dem hohen Ressourcenverbrauch der Menschheit und der Regenerationsfähigkeit der Erde weiter.“

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Besonders drastisch ist der ökologische Fußabdruck Deutschlands: Würden alle Menschen so konsumieren wie die Deutschen, wäre der Erdüberlastungstag bereits am 10. Mai gewesen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert daher von der Bundesregierung einen raschen Ausbau der erneuerbaren Energien und einen konsequenten Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle. BUND-Vorsitzender Olaf Brandt betont: „Unser Wirtschaftssystem frisst seine eigene Substanz und zerstört damit die Lebensgrundlagen für künftige Generationen.“ Der Erdüberlastungstag müsse als Weckruf verstanden werden.

Seit Jahrzehnten verschiebt sich der Stichtag nach vorn

Seit Anfang der 1970er Jahre, als der Erdüberlastungstag noch Ende Dezember lag, hat er sich im Kalender weit nach vorn verschoben. Allerdings werden die Sprünge kleiner; in den vergangenen 20 Jahren bewegte sich der Stichtag in einem Bereich von lediglich viereinhalb Wochen. Das Global Footprint Network, das den Erdüberlastungstag jährlich berechnet, hat analysiert, welche Maßnahmen den Stichtag effektiv nach hinten verschieben könnten. Der mit Abstand größte Hebel liegt bei den CO₂-Emissionen, die zu 60 Prozent zum ökologischen Fußabdruck beitragen.

Konkrete Beispiele der Organisation zeigen, wie viele Tage gewonnen werden könnten:

  • Einführung eines höheren CO₂-Preises: 63 Tage
  • 75 Prozent des Stroms aus CO₂-armen Quellen (derzeit 39 Prozent): 26 Tage
  • Reduzierung der Autofahrten um 50 Prozent: 13 Tage
  • Halbierung des Fleischkonsums: 17 Tage
  • Halbierung der Lebensmittelverschwendung: 13 Tage
  • Aufforstung von 350 Millionen Hektar Wald: 8 Tage
  • Halbierung touristischer Flugreisen: 1 Tag

Der Erdüberlastungstag wird vom Global Footprint Network mithilfe standardisierter Flächeneinheiten berechnet, die den Bedarf an Nahrung, Holz, CO₂-Aufnahme sowie Siedlungsfläche abbilden. Demgegenüber steht die Kapazität der Erde, Ressourcen aufzubauen und Abfälle sowie Emissionen zu absorbieren. Ähnlich wie Schätzungen des Bruttoinlandsprodukts sind die Daten nicht vollkommen präzise; frühere Ergebnisse werden jährlich mit neuesten Daten und Verfeinerungen aktualisiert, sodass sich die Erdüberlastungstage vergangener Jahre nachträglich verschieben können.

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