Europaweit wächst die Brandgefahr – und das nicht nur im Süden. Selbst in Deutschland, etwa vor den Toren Potsdams, könnten die Flammen in Zukunft lodern. Das warnt der Ökologe Thomas Hickler vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. Er sieht den deutschen Wald vor einer fundamentalen Zeitenwende.
Brände auch in nördlichen Regionen
In den vergangenen Jahren haben verheerende Waldbrände vor allem in Südeuropa Schlagzeilen gemacht. Doch Hickler betont, dass sich die Gefahr zunehmend nach Norden verlagert. „Mir ist nicht bekannt, dass es in Frankreich schon einmal so massiv gebrannt hätte“, sagt der Experte mit Blick auf die jüngsten Feuer nahe Bordeaux. Die Ursache sei der Klimawandel, der zu längeren Trockenperioden und höheren Temperaturen führe.
Laut Hickler verändert sich die Vegetation in Mitteleuropa rapide. Fichtenwälder, die ohnehin unter Trockenstress leiden, verwandeln sich in Brandbeschleuniger. „Wir erleben eine Zeitenwende für den deutschen Wald“, so der Ökologe. Selbst feuchtere Regionen wie Brandenburg könnten künftig von Großbränden heimgesucht werden, wenn die Dürreperioden zunehmen.
Waldumbau als Dringlichkeit
Hickler fordert einen radikalen Umbau der Wälder hin zu klimaresistenten Baumarten. „Monokulturen aus Fichten sind ein Pulverfass“, erklärt er. Nötig seien Mischwälder mit Laubbäumen, die besser mit Trockenheit zurechtkommen. Derzeit seien die Kapazitäten zur Brandbekämpfung in Deutschland jedoch nicht ausreichend auf die neue Bedrohungslage ausgerichtet.
Die Feuerwehren müssten besser ausgestattet und vernetzt werden, um auch bei mehreren Großbränden gleichzeitig reagieren zu können. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Brandsaison künftig früher beginnt und länger dauert“, so Hickler. Die Politik sei gefordert, rechtzeitig zu handeln, bevor die Flammen tatsächlich vor Potsdam lodern.
Internationale Lage verschärft sich
Auch in anderen Teilen Europas spitzt sich die Situation zu. In Griechenland, Spanien und Portugal kämpfen Einsatzkräfte jedes Jahr gegen verheerende Feuer. Hickler zufolge zeigen Modelle, dass die Brandgefahr bis zum Ende des Jahrhunderts um das Doppelte bis Dreifache zunehmen könnte, wenn die Treibhausgasemissionen nicht drastisch reduziert werden.
Der Ökologe mahnt, dass die Bekämpfung der Klimakrise die einzige langfristige Lösung sei. „Wir können die Wälder anpassen, aber ohne Klimaschutz werden die Brände immer heftiger“, warnt er. Die nächsten Jahre seien entscheidend, um die Kurve zu kriegen.
Fazit: Handlungsdruck wächst
Die Warnung von Thomas Hickler ist eindeutig: Europa steht vor einer neuen Ära der Waldbrände. Deutschland ist nicht mehr sicher. Der Waldumbau und verbesserte Brandschutzmaßnahmen sind überfällig. Die Frage ist nicht mehr, ob die Flammen vor Potsdam lodern, sondern wann – und wie sehr wir darauf vorbereitet sind.



