Hessen verzeichnet eine der höchsten Storchendichten in ganz Deutschland. Laut dem Naturschutzbund (Nabu) brüten in diesem Jahr bundesweit so viele Weißstörche wie nie zuvor – rund 15.000 Brutpaare werden erwartet. In Hessen könnte die Zahl der Brutpaare erstmals auf etwa 1.700 steigen, was einem Zuwachs von fünf bis zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Entwicklung der Storchenpopulation in Hessen
Im Jahr 2025 wurden in Hessen 1.563 Brutpaare gezählt. Für das laufende Jahr liegen noch keine landesweiten Zahlen vor, doch der Nabu-Experte Bernd Petri rechnet mit einem weiteren Anstieg. Als Beispiel nennt er den Landkreis Gießen: Dort wurden bereits 93 Brutpaare registriert, nach 66 im Jahr 2025. Von diesen 93 Paaren brüten etwa die Hälfte auf Bäumen, gut 30 auf Nisthilfen und sechs auf Jagd-Hochsitzen, erklärt Petri.
Weißstörche brüten in allen Bundesländern, doch die höchste Dichte erreicht Hessen gemeinsam mit Baden-Württemberg. Die meisten Brutpaare gab es im Vorjahr in Niedersachsen (2.737) und Baden-Württemberg (2.602), während Hessen durch seine Fläche eine besonders hohe Konzentration aufweist.
Spitzenreiter im Landkreis Groß-Gerau
Besonders hervorzuheben ist der Kreis Groß-Gerau im südhessischen Ried. Dort leben 90 Storchenpaare je 100 Quadratkilometer – ein Spitzenwert. Im vergangenen Jahr zählte der Landkreis 406 Brutpaare, gefolgt vom Wetteraukreis (243) und dem Main-Kinzig-Kreis (184).
„Der Kreis Groß-Gerau mit dem hessischen Ried ist deshalb interessant, weil er am Rhein liegt“, erklärt Petri. Dort gebe es viele Schutzgebiete und Feuchtlebensräume. Zudem sei das Nahrungsangebot durch die Nähe zu Siedlungen groß – etwa durch eine Mülldeponie und Bioabfallanlagen, die als „Fast-Food-Stellen“ für Störche dienen.
Tödliche Gefahr durch Abfall
Doch die Abfallquellen bergen auch erhebliche Risiken. „Eine der häufigsten Todesursachen der Störche in Deutschland und Hessen ist, dass sie Plastik, Gummi oder Silikon schlucken“, warnt Petri. Die Tiere verhungern bei vollem Magen, der nicht mit natürlicher Nahrung wie Würmern, Insekten oder Mäusen, sondern mit Müll gefüllt sei.
Klimawandel und Nisthilfen als Treiber
Jörg Nitsch, Vorsitzender des BUND Hessen, betont die Bedeutung künstlicher Nisthilfen: „Zahlreiche künstliche Nisthilfen haben sicherlich dazu beigetragen, dass Hessen für die Tiere ein attraktiver Brutstandort geworden ist.“ Gleichzeitig verändere der Klimawandel das Zugverhalten. Mildere Winter führten dazu, dass Störche zunehmend in Hessen überwintern oder nur bis Spanien und Portugal fliegen.
Die Anpassungsfähigkeit der Vögel an veränderte Bedingungen sei bemerkenswert. „Wir wünschen uns jedoch, dass diese positive Entwicklung nicht nur von künstlichen Nisthilfen oder Mülldeponien abhängt“, sagt Nitsch. Entscheidend sei die Wiederherstellung und der Erhalt natürlicher Lebensräume wie Feuchtwiesen und Naturschutzgebiete. „Davon profitiert nicht nur diese Art, sondern auch zahlreiche weitere heimische Tiere und Pflanzen.“



