Rekordhitze in Berlin: 39,9 Grad gemessen
Die Hauptstadt erlebte am Samstag die bislang höchste jemals gemessene Temperatur. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) registrierte an der Station Berlin-Tempelhof 39,9 Grad Celsius – ein neuer Rekord. Der bisherige Höchstwert von 38,9 Grad stammte vom 7. August 2015 in Berlin-Kaniswall. Auch in Brandenburg wurde mit 40,8 Grad in Baruth der bisherige Rekord eingestellt.
Feuerwehr im Ausnahmezustand: 2055 Einsätze
Die Berliner Feuerwehr zählte am Samstag insgesamt 2055 Einsätze – rund 500 mehr als an einem durchschnittlichen Tag. Schwerpunkt war die Notfallrettung: Aufgrund der extremen Hitze mussten die Rettungskräfte vermehrt zu Kreislaufproblemen und Kollapsfällen ausrücken. Zugleich gab es mit über 120 Bränden etwa doppelt so viele Feuer wie üblich. Mehrere schwere Vorfälle ereigneten sich an Gewässern: Im Hafen Tempelhof und am Jungfernheideteich wurden zwei leblose Männer geborgen, Reanimationsversuche blieben erfolglos. Am U-Bahnhof Innsbrucker Platz erlitt ein Fahrgast einen Kreislaufstillstand; Ersthelfer begannen noch vor Eintreffen der Rettungskräfte mit der Reanimation, der Mann kam ins Krankenhaus. Am Abend rückte die Feuerwehr zu 27 Unwettereinsätzen im Berliner Westen aus, unter anderem wegen umgestürzter Bäume in Spandau.
Polizei setzt Wasserwerfer ein – Freibäder überfüllt
Die Berliner Polizei fuhr mit zwei Wasserwerfern durch die Stadt, um Abkühlung zu spenden. Erster Halt war das Brandenburger Tor, später folgten der Potsdamer Platz und weitere Orte. Die Beamten hatten jeweils 9000 Liter Wasser geladen und erzeugten Sprühregen für die Bevölkerung. Die Freibäder waren bereits am Vormittag überfüllt: Vor dem Sommerbad Mariendorf bildete sich eine 50 Meter lange Schlange, die Polizei sperrte den Zugang mit Megafonen. Auch das Sommerbad Pankow und das Sommerbad am Insulaner mussten den Ticketverkauf stoppen. Nur das Strandbad Wannsee hatte noch Kapazitäten.
Hitzeschäden auf Autobahnen – Ampeln fallen aus
Die anhaltende Hitze führte zu Schäden auf der Autobahn 2 zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Die Fahrbahn wurde zunehmend beschädigt, sodass mehrere Anschlussstellen gesperrt werden mussten. Die Polizei warnte vor erheblichen Staus und empfahl, die A2 weiträumig zu umfahren. „Die aktuellen Stau-Angaben auf Google Maps sind nicht korrekt, die Wartezeiten sind deutlich länger als dargestellt“, betonte eine Sprecherin. Auch in der Stadt fielen zahlreiche Ampeln aus: Der RBB-Inforadio berichtete von 19 defekten Ampeln oder Spuranzeigern im gesamten Stadtgebiet. Die Ursache war zunächst unbekannt.
Wasserwerte und Waldbrandgefahr
Die Seen in Berlin heizten sich stark auf: Der Wannsee erreichte 25,6 Grad, der Tegeler See 25,9 Grad und der Müggelsee 25,1 Grad. Etwas kühler war die Havel in Spandau mit 22,6 Grad. Die Waldbrandgefahr stieg in fast allen Brandenburger Landkreisen auf die Stufe „hoch“ oder „sehr hoch“. In Berlin reichte die Gefahr je nach Bezirk von mittel bis sehr hoch.
Auswirkungen auf Veranstaltungen und Verkehr
Viele Veranstaltungen wurden abgesagt oder verkürzt. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten schloss ihre Schlösser bereits um 13 Uhr und sagte alle Veranstaltungen ab – eine absolute Ausnahme, wie ein Sprecher betonte. Die Evangelische Kirche sagte ihren Sommer-Empfang ab. Der Flohmarkt am Kranoldplatz in Neukölln fiel aus. Die BVG ließ U-Bahnen auch abends mit maximaler Wagenzahl fahren und verteilte Trinkwasser an Fahrer. Auf den Regionalbahnlinien RE1 und RE8 entfielen die Stopps Schwerin Süd und Holthusen, da dort kein Hitzeschutz möglich war.
Gesundheitliche Warnungen und Tipps
Angesichts der Hitze warnte ein Experte vor Kopfsprüngen ins kalte Wasser. Jan Schwab, Direktor der Klinik für Rückenmarkverletzte am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin, erklärte: „Die Halswirbelsäule ist besonders fragil. Ein Sprung kopfüber ins flache Wasser kann direkt zu einer Lähmung führen.“ Er riet dringend davon ab, in unbekannte Gewässer zu springen. Die Berliner Wasserbetriebe wiesen auf 250 Trinkbrunnen in der Stadt hin, an denen man kostenlos Wasser auffüllen kann. Auch 600 Refill-Stationen in Cafés und Geschäften stünden zur Verfügung. Vorsicht sei jedoch bei Zierbrunnen geboten: Deren Wasser sei kein Trinkwasser.
Ausblick: Gewitter und Abkühlung ab Montag
Für Sonntag erwartete der DWD zunächst weiterhin extreme Hitze mit bis zu 41 Grad, bevor von Südwesten her kräftige Hitzegewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen aufziehen. Die Unwettergefahr war hoch. Ab Montag sinken die Temperaturen auf 29 bis 32 Grad, am Dienstag auf 23 bis 28 Grad. Die Klimagruppe Fridays for Future kündigte für Sonntagabend eine spontane Demo im Invalidenpark an, um auf die Folgen der Klimakrise aufmerksam zu machen.



