Dritter Hitzerekord in Folge: 41,7 Grad in Ost-Brandenburg
Die Hitzewelle in Deutschland hat am Sonntag den dritten Temperaturrekord in Folge gebracht. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete eine vorläufige Höchsttemperatur von 41,7 Grad in Ost-Brandenburg. Zuvor war im sächsischen Bad Muskau an der Grenze zu Polen und Brandenburg gegen 15.00 Uhr ein Wert von 41,5 Grad gemessen worden. Am Samstag hatte die Messstation in Drewitz in Sachsen-Anhalt bereits 41,5 Grad erreicht, am Freitag waren es in Saarbrücken-Burbach 41,3 Grad gewesen.
Der DWD betonte, dass es sich um vorläufige Werte handele. „Eine Qualitätskontrolle dieser Messwerte ist noch nicht erfolgt und wird noch vorgenommen“, erklärte der Dienst. Die offizielle Bestätigung der Rekorde wird erst nach dem Wochenende erwartet.
Waldbrand bei Traisen: Kompletter Ort evakuiert
Wegen eines Waldbrandes ist das Dorf Traisen in Rheinland-Pfalz vollständig evakuiert worden. Der Brand war am Samstagnachmittag auf einer Fläche von rund zwei Hektar ausgebrochen und dehnte sich bis Sonntag auf etwa 2,7 Hektar aus. Das Feuer wütet in einem steilen, schwer zugänglichen Waldgebiet, in dem sich Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg befinden. Ortsbürgermeister Norman Frey erklärte, die Evakuierung gelte „bis auf Weiteres“.
Die rund 600 Einwohner wurden vorsorglich in eine Notunterkunft gebracht. Landrätin Bettina Dickes (CDU) sprach im Südwestrundfunk von einer ökologischen Katastrophe. Zudem seien ein Funkturm und eine Starkstromtrasse bedroht, die für die Kommunikation und Stromversorgung des Kreises essenziell sind. Jörg Dindorf, Leiter Team Medien Katastrophenschutz des Kreises Bad Kreuznach, sagte: „Das Wetter spielt uns nicht in die Karten. Es ist weiter heiß und trocken, zudem weht Wind.“
Zwölf Badetote seit Freitag
Während der Hitzewelle sind seit Freitag mindestens zwölf Menschen bei Badeunfällen gestorben. Am Samstag ertrank ein 27-Jähriger im Neckar bei Heidelberg, ein 30-Jähriger in einem Badesee bei Neuhofen und zwei Männer in Berliner Gewässern. In Herne starb ein sechsjähriges Kind im Rhein-Herne-Kanal. In Hessen wurde ein 40-Jähriger tot aus dem Waldsee Raunheim geborgen. Bereits am Freitag waren mehrere Todesfälle gemeldet worden, darunter ein 45-Jähriger in Dortmund und ein achtjähriger Junge in Isernhagen bei Hannover.
Zug ohne Klimaanlage: 630 Passagiere gestrandet
In der Prignitz in Brandenburg strandeten mehr als 630 Passagiere in einem Zug der tschechischen Bahn ohne Klimaanlage. Ein Baum war bei einem Sturm auf eine Oberleitung gefallen, sodass der Zug seinen Fahrstrom verlor. Die Temperatur im Zug stieg auf etwa 40 Grad. Drei Menschen kamen mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus. Die Feuerwehr öffnete die Türen und brachte Kinder, Schwangere und ältere Menschen aus dem Zug. Nach mehreren Stunden zog eine Diesellok den Zug nach Karstädt, wo ein Notlager in einer Sporthalle eingerichtet wurde.
Kanzleramt ohne Klimaanlage
Wie ein Regierungssprecher der „Rheinischen Post“ bestätigte, verfügt das Bundeskanzleramt über keine flächendeckende Klimaanlage. In den oberen Etagen soll es sich extrem aufheizen. Lediglich das Arbeitszimmer des Bundeskanzlers sei klimatisiert.
Verkehr beeinträchtigt: Hitze führt zu Sperrungen und Ausfällen
Die Deutsche Bahn riet gemeinsam mit dem Bundesverband Schienennachverkehr (BSN): „Bitte vermeiden Sie heute und morgen alle nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr.“ In Nordrhein-Westfalen meldete National Express Probleme im Großraum Essen und am Düsseldorfer Hauptbahnhof. In Leipzig stellten die Verkehrsbetriebe den Straßenbahnverkehr bis Montagmorgen wegen Hitzeschäden an Schienen und Weichen ein. Auch auf Autobahnen wie der A2 bei Burg und der A93 in Bayern kam es zu Sperrungen.
Grüne fordern „Abkühl-Sofortprogramm“
Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge forderte in der „Bild am Sonntag“ ein „Abkühl-Sofortprogramm“ für Krankenhäuser, Pflegeheime, Kitas und Schulen. „Wir schlagen ein neues Förderprogramm für ‚Klima-Solar-Anlagen‘ vor“, sagte Dröge. Die Hitze am Tag gehe mit hoher Sonneneinstrahlung und damit besonders viel Solarertrag einher.
Kritik an mangelndem Hitzeschutz
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband warf der Bundesregierung Versagen beim Hitzeschutz vor. Verbandsvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Die Bundesregierung lässt die Praxen beim Hitzeschutz im Stich. Bis heute ist de facto nichts passiert.“ Auch Patientenschützer Eugen Brysch forderte mehr Investitionen in Pflegeheime.



