Berlins neues Klima-Gesetz könnte den umstrittenen Umbau der Kastanienallee im Bezirk Pankow stoppen – und die fast 80 alten Bäume im Ortsteil Rosenthal doch noch vor der Fällung retten. Die geplante Straßenverbreiterung für schwere Lastwagen steht auf der Kippe, wie Christian Hönicke vom Tagesspiegel berichtet.
Hintergrund der geplanten Lkw-Route
Die Kastanienallee in Rosenthal, eine von Bäumen gesäumte Allee, sollte für den Schwerlastverkehr ausgebaut werden. Ziel war es, eine alternative Route für Lastwagen zu schaffen, um die angrenzenden Wohngebiete zu entlasten. Doch der Eingriff in den Baumbestand von fast 80 Exemplaren stieß auf heftigen Widerstand von Anwohnern und Umweltschützern.
Der Verein für nachhaltige Verkehrsentwicklung e.V. hatte die Pläne scharf kritisiert. Nun könnte ein neues Klima-Gesetz des Landes Berlin die Wende bringen. Neben dem fehlenden Geld für das Projekt kommt dem Bezirk Pankow nun auch der strengere Naturschutz in die Quere.
Auswirkungen des neuen Klima-Gesetzes
Das im Frühjahr 2024 verabschiedete Berliner Klima-Gesetz schreibt unter anderem vor, dass bei Bauvorhaben klimarelevante Auswirkungen stärker berücksichtigt werden müssen. Die Fällung alter Bäume gilt als besonders problematisch, da diese als CO₂-Speicher und Kühlungsfaktor im Stadtklima dienen.
Bezirksstadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) erklärte gegenüber dem Tagesspiegel: „Wir prüfen derzeit, ob die geplante Straßenverbreiterung mit den neuen gesetzlichen Vorgaben vereinbar ist. Die rechtlichen Hürden sind deutlich gestiegen.“ Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass das Projekt gestoppt werde, sei hoch.
Finanzielle und politische Hürden
Bereits vor dem Klima-Gesetz hatten Finanzierungsprobleme das Projekt verzögert. Die Kosten für den Umbau waren zuletzt auf über 5 Millionen Euro geschätzt worden, wovon der Bezirk nur einen Teil selbst tragen konnte. Zudem hatte die rot-grün-rote Landesregierung in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, dass Baumfällungen nur noch im absoluten Ausnahmefall genehmigt werden dürfen.
Die Initiative „Rettet die Kastanienallee“ begrüßte die Entwicklung. Sprecherin Petra Müller sagte: „Wir sind zuversichtlich, dass die Bäume nun endgültig gerettet werden. Das Klima-Gesetz ist ein starkes Instrument gegen unnötige Versiegelung und Baumvernichtung.“
Reaktionen aus der Politik
Während Umweltschützer und Teile der Bezirksverwaltung auf einen Stopp hoffen, warnen Wirtschaftsverbände vor negativen Folgen für die Logistik. Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) forderte eine schnelle Klärung: „Berlin braucht leistungsfähige Verkehrswege. Eine Blockade wichtiger Routen gefährdet die Versorgungssicherheit.“
Die Senatsverwaltung für Mobilität teilte mit, man beobachte die Entwicklung in Pankow genau. Ein Sprecher betonte: „Das Klima-Gesetz gilt für alle Bezirke. Wir werden die Vereinbarkeit mit den Verkehrsprojekten prüfen und gegebenenfalls nachsteuern.“
Bis zur endgültigen Entscheidung bleibt die Kastanienallee vorerst von der Fällung verschont. Die Bezirksverordnetenversammlung Pankow will sich in ihrer nächsten Sitzung im August mit dem Thema befassen.



