Die Europäische Drogenagentur (EUDA) hat in ihrem aktuellen Jahresbericht alarmierende Entwicklungen offengelegt. Demnach rekrutieren Drogenbanden zunehmend Jugendliche für den Rauschgifthandel sowie für Gewaltakte. Besonders betroffen sind junge Menschen aus sozial benachteiligten Stadtvierteln.
Gewalt als Dienstleistung
Die kriminellen Organisationen setzen die Jugendlichen nicht nur als Dealer ein, sondern auch für Einschüchterungen, Körperverletzungen und sogar als Auftragskiller. Die Hintermänner stellen Planung, Waffen, Geld und Transportmittel bereit. Diese sogenannten „Gewalt-als-Dienstleistung“-Modelle verbreiten sich laut EUDA rasant, wobei die Anwerbung häufig über soziale Medien erfolgt.
Neue Substanzen in hohem Tempo
Der Drogenmarkt wird nach Einschätzung der Behörde immer komplexer und gefährlicher. Traditionelle Drogen wie Cannabis, Kokain und Heroin sind weiterhin weit verbreitet, doch gleichzeitig tauchen ständig neue, hochwirksame Substanzen auf. Im vergangenen Jahr wurden in Europa 50 neue psychoaktive Substanzen registriert. Insgesamt überwacht die EUDA inzwischen 1050 solcher Stoffe. EUDA-Direktorin Lorraine Nolan warnte: „Die Drogenmärkte entwickeln sich rasant weiter, und die Vielfalt der Substanzen auf den Straßen Europas wird immer unvorhersehbarer.“ Dadurch steige das Risiko, dass Menschen hochwirksame Drogen konsumieren, ohne es zu wissen.
Tausende Drogentote
Besonders besorgniserregend sind synthetische Opioide. Diese Stoffe können bereits in kleinsten Mengen tödlich sein. Opioide, oft in Kombination mit anderen Substanzen, sind die häufigste Ursache für drogenbedingte Todesfälle in Europa. Für 2024 schätzt die EUDA mindestens 7600 Todesfälle durch Überdosierung (2023: knapp 7500). Ein Viertel aller registrierten Todesfälle entfiel mit 1912 auf Deutschland. EU-Innenkommissar Magnus Brunner forderte ein hartes Vorgehen gegen illegale Händler und betonte, man müsse alles daran setzen, um zu verhindern, dass gefährliche neue Produkte den Markt überschwemmen.
Cannabis und Crack
Cannabis bleibt mit rund 25 Millionen Konsumenten pro Jahr die am weitesten verbreitete Droge in Europa. Gleichzeitig beobachten die Behörden eine Ausbreitung des besonders problematischen Crack-Konsums. Auch der Kokainmarkt bleibt stabil: Etwa 4,3 Millionen Menschen zwischen 15 und 64 Jahren konsumierten im vergangenen Jahr Kokain.
Neue Schmuggelmethoden
Schmuggler passen sich zunehmend dem Druck der Behörden an. Nach verstärkten Kontrollen in großen Häfen wie Rotterdam und Antwerpen nutzen sie nun kleinere Häfen. Zudem setzen sie auf Umladungen auf hoher See, Drohnen, Schnellboote und sogar Halbtauchboote, um Drogen aus Südamerika oder Afrika nach Europa zu bringen.
E-Zigaretten als neue Gefahr
Alarmierend ist auch der Fund von E-Zigaretten, die neben Nikotin auch Cannabisstoffe enthielten. Solche Produkte könnten künftig als Träger für noch gefährlichere Substanzen dienen, warnt die EUDA. Der Bericht basiert auf Daten aus den 27 EU-Staaten sowie Norwegen und der Türkei.



