Jahrzehntelang galten Mangroven als eines der am stärksten bedrohten Ökosysteme. Diese Wälder vor tropischen und subtropischen Küstengewässern sind von großer Bedeutung, da sie Küsten vor Erosion und Sturmschäden schützen. Zudem speichern sie enorme Mengen an Treibhausgasen wie Kohlendioxid und Methan.
Globale Bestandsaufnahme zeigt positive Entwicklung
Eine aktuelle globale Bestandsaufnahme, veröffentlicht im Fachjournal „Science“, zeigt, dass sich Mangrovenwälder weltweit regenerieren. „Nach Jahrzehnten des Rückgangs sehen wir endlich einen Wendepunkt für Mangroven“, erklärt Erstautor Zhen Zhang von der Tulane University in New Orleans. „Das unterstreicht ihre starke Widerstandskraft und ihr Potenzial als mächtige natürliche Lösung zur Eindämmung des Klimawandels und zum Küstenschutz.“
Bedrohungen und Trendwende
In der Vergangenheit wurden Mangrovenwälder hauptsächlich durch Abholzung bedroht, da Aquakulturen und Palmölplantagen immer mehr Raum beanspruchten. Das Forschungsteam um Zhang verfolgte die Entwicklung der Mangrovenwälder anhand von Satellitenaufnahmen über vier Jahrzehnte, von den 1980er Jahren bis 2023. Die Ergebnisse zeigen, dass die globale Fläche dieser Wälder von rund 155.000 Quadratkilometern in den 1980er Jahren auf 152.000 Quadratkilometer im Jahr 2010 sank – ein Verlust von etwa 3000 Quadratkilometern.
Ab etwa 2010 drehte sich der Trend: Im Jahr 2023 registrierte das Team knapp 2000 Quadratkilometer mehr. Die Mangrovenwälder waren wieder auf 154.000 Quadratkilometer angewachsen. Über den gesamten Untersuchungszeitraum gingen insgesamt nur etwa 850 Quadratkilometer verloren, also etwa ein Prozent dieser Wälder.
Ursachen für die Erholung
„Wir sehen eine echte Verlagerung“, sagt Studienleiter Daniel Friess. „Mangroven zeigen inzwischen einen weltweiten Nettozuwachs, und der Abbau verlangsamt sich.“ Verantwortlich für die Zunahme der Wälder seien ein Rückgang der Rodungen und die natürliche Besiedlung von Küstenzonen, insbesondere in Flussdeltas. Zudem spiele auch der Klimawandel eine Rolle: Die eigentlich in tropischen Regionen heimischen Wälder hätten sich inzwischen auch entlang der US-Küste des Golfs von Mexiko und im Mississippi-Delta ausgedehnt.
Widerstandsfähigkeit und anhaltende Bedrohungen
Der Trend zeige, „dass selbst stark bedrohte Ökosysteme wie Mangroven, die sowohl anthropogenen Störungen als auch dem Klimawandel ausgesetzt sind, widerstandsfähiger als gedacht darin sind, ihre Fläche zu behaupten“, schreibt die Gruppe. Das sei jedoch kein Grund für Selbstzufriedenheit. Die Abholzung von Wäldern etwa für landwirtschaftliche Fläche bleibe weiterhin eine Bedrohung, so Zhang: „Der unmittelbarste und wirksamste Schutz für Mangroven ist ein Stopp der Abholzung.“



