Invasive Meerwalnuss: Gefahr für Fischbestand in der Ostsee
Meerwalnuss bedroht Fischbestand in der Ostsee

Die Meerwalnuss (Mnemiopsis leidyi) breitet sich seit ihrer Einschleppung vor rund 20 Jahren in der Ostsee aus. Die Rippenqualle, auch als „Meereskannibale“ bekannt, frisst in Notzeiten sogar ihre eigenen Larven. Normalerweise stehen jedoch die Eier heimischer Fische auf ihrem Speiseplan – und genau das macht sie zur Gefahr für die Fischbestände der Ostsee.

Einschleppung und Ausbreitung

Erstmals bestätigten Forscher 2006 Exemplare der Mnemiopsis leidyi in der Ostsee. Die Rippenqualle reiste als blinder Passagier in den Ballastwassertanks großer Schiffe um die Welt. Ursprünglich stammt sie aus den Küstengewässern Nordamerikas. Inzwischen hat sie sich in vielen Meeren ausgebreitet, darunter das Schwarze Meer, das Mittelmeer und nun auch die Ostsee.

Die Meerwalnuss vermehrt sich rasant. Ein Grund: Die erwachsenen Tiere produzieren enorme Mengen an Eiern. Gleichzeitig begünstigt der sinkende Sauerstoffgehalt der Ostsee ihre Ausbreitung. Laut der Deutschen Stiftung Meeresschutz (DSM) trägt die Rippenqualle selbst zur Entstehung sogenannter Todeszonen bei. Dort fehlt Sauerstoff, Pflanzen wachsen nicht mehr, und Fische können nicht überleben.

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Populationsexplosion im Schwarzen Meer

Bereits in den 1990er-Jahren erlebte die Meerwalnuss eine extreme Vermehrung im Schwarzen Meer. Durch Meeresverschmutzung und fehlende natürliche Feinde explodierte die Population. Die Biomasse erreichte laut DSM unglaubliche eine Milliarde Tonnen. Zum Vergleich: Ein einzelnes Tier wiegt höchstens fünf Gramm. Das verdeutlicht, wie massenhaft die Quallen damals auftraten. Die Rettung kam überraschend: Rund zehn Jahre später wurde auch die Melonenqualle eingeschleppt. Seitdem fressen sich die beiden Rippenquallen-Arten gegenseitig – und halten so ihre Bestände in Schach.

Bedrohung für die Ostsee

In der Ostsee hingegen fehlt dieser natürliche Gegenspieler bisher. Die Meerwalnuss vermehrt sich hier ungehindert. Die räuberische Rippenqualle frisst nicht nur kleine Krebse – also die Nahrung vieler heimischer Fischarten. Sie macht auch Jagd auf deren Laich und Eier. Für Hering, Sprotte und Sardine wird das zum Problem. Ihre nächste Generation landet direkt im Maul der Qualle. Die Bestände dieser wirtschaftlich wichtigen Fischarten sind dadurch gefährdet.

Zudem begünstigt der Klimawandel die Ausbreitung: Die steigenden Wassertemperaturen und der zunehmende Sauerstoffmangel schaffen ideale Bedingungen für die Meerwalnuss. Die DSM warnt vor einem Kollaps des Ökosystems, falls die Population weiter wächst.

Auswirkungen auf Badegäste

Für Menschen ist die Meerwalnuss ungefährlich. Sie besitzt keine Nesselzellen und zählt deshalb streng genommen nicht zu den echten Quallen. Unangenehm kann es trotzdem werden. Gerade im Sommer setzen Millionen Tiere Eier und Spermien frei. Dabei entsteht ein glitschiger Schleim, der vielen Badegästen den Spaß verdirbt. Besonders an den Ostseestränden Dänemarks treten die „Meereskannibalen“ in diesem Jahr massenhaft auf. Die Lokalzeitung „Der Nordschleswiger“ berichtet von Schleim im Wasser und genervten Urlaubern.

Die Meerwalnuss bleibt also eine doppelte Herausforderung: für die Fischerei und den Tourismus an der Ostsee. Wissenschaftler fordern daher mehr Forschung zu Gegenmaßnahmen, um die weitere Ausbreitung einzudämmen.

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