Oder-Ökosystem erholt sich langsam – Muscheln bleiben Sorgenkind
Oder-Ökosystem erholt sich – Muscheln bleiben Sorgenkind

Oder-Ökosystem erholt sich – Muscheln bleiben das Sorgenkind

Rund vier Jahre nach der verheerenden Umweltkatastrophe in der Oder haben sich die Fischbestände aus Expertensicht vergleichsweise gut erholt. Doch nicht alle Folgen des beispiellosen Dramas an dem deutsch-polnischen Grenzfluss sind gebannt. Besonders die für die Wasserreinigung wichtigen Muscheln bereiten weiterhin große Sorgen. Das teilte das für die Untersuchung der Oder federführende Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) mit. Die Folgen für das gesamte Ökosystem würden noch Jahre nachwirken.

Rückgang der Muschelpopulation

Wissenschaftler schätzen, dass im Sommer 2022 rund 1.000 Tonnen Fisch sowie unzählige Muscheln und Schnecken in der Oder verendet sind. Während sich die Fischbestände dank Rückzugsräumen und Refugien relativ gut erholen konnten, sieht es bei den Großmuscheln düster aus. Mindestens zwei Drittel von ihnen starben. Ihre Erholung werde noch viele Jahre in Anspruch nehmen, so das IGB. „Das ist ökologisch besonders schwerwiegend, weil Großmuscheln große Mengen Wasser filtrieren und damit zur Reinigung des Flusses beitragen“, betonte IGB-Direktorin Sonja Jähnig.

Ursachen der Katastrophe

Im Sommer 2022 waren in der Oder tonnenweise Fische verendet. Als Ursachen für das massenhafte Fischsterben identifizierten die Forscher einen hohen Salzgehalt, Niedrigwasser, hohe Temperaturen und das Gift der Goldalge (Prymnesium parvum). Das Leibniz-Institut fordert daher, die Salzbelastung und Nährstoffeinträge im Fluss zu verringern und mehr Raum für natürliche Lebensräume zu schaffen.

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Politischer Handlungsbedarf

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sprach sich dafür aus, mehr Rückzugsräume für Lebewesen in und an Flüssen zu schaffen, um die Natur widerstandsfähiger zu machen. „Das ist gerade angesichts des Klimawandels mit zunehmenden Hitzesommern und langen Trockenphasen wichtig“, sagte Schneider bei der Entgegennahme des Abschlussberichts zum Untersuchungsprogramm am IGB in Schwedt. Zum Zustand der Oder und den Salzeinleitungen stehe er mit Polen im Austausch. Das Salz stamme aus den Bergbaugebieten auf polnischer Seite. Maßnahmen zur Reduzierung der Einleitungen würden dort geprüft.

Ein weiteres Streitthema zwischen Polen und Deutschland war der Ausbau der Oder mit Buhnen. Schneider zeigte sich zurückhaltend: „Wir machen Instandhaltungsmaßnahmen und Renaturierungsmaßnahmen, aber keinen weiteren Ausbau.“

Forscher warnen vor erneuter Algenblüte

Der Fischökologe Christian Wolter vom Leibniz-Institut in Berlin erklärte: „Wir sehen, dass die relativ gute Erholung bei den Fischen darauf zurückzuführen ist, dass sie Rückzugsräume hatten, Refugien, wo sie diese Krise abwarten konnten und aus denen dann die Wiederbesiedlung erfolgen konnte.“ Das Risiko für eine erneute Algenblüte müsse unbedingt reduziert werden. Die Kombination aus hohen Temperaturen, niedrigem Wasserstand und hohen Salzkonzentrationen begünstige das Wachstum der Goldalge, deren Gift für Fische und Muscheln tödlich ist.

Die Forscher appellieren an die Politik, langfristige Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität und zur Renaturierung der Oder umzusetzen, um das Ökosystem widerstandsfähiger gegen künftige Krisen zu machen.

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