Tiefseebergbau bedroht 125 Weichtierarten: Rote Liste aktualisiert
Tiefseebergbau: 125 Weichtierarten vom Aussterben bedroht

Rote Liste der IUCN: 125 Weichtierarten durch Tiefseebergbau bedroht

Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat ihre Rote Liste der bedrohten Arten aktualisiert und schlägt Alarm: 62 Prozent der bekannten endemischen Weichtiere an hydrothermalen Quellen sind gefährdet. Das entspricht 125 von 201 Arten, die nur in Meerestiefen von bis zu 5000 Metern vorkommen. Viele dieser Schnecken- und Muschelarten wurden erst in den vergangenen zehn Jahren entdeckt.

Hydrothermale Quellen: Lebensraum in der Tiefsee

Hydrothermale Quellen entstehen an Rissen in der Erdkruste, aus denen heißes Wasser austritt. Diese einzigartigen Ökosysteme beherbergen spezialisierte Lebewesen, die nirgendwo sonst vorkommen. Laut IUCN ersticken die Weichtiere in Sedimentwolken, die durch Erkundungen des Meeresbodens und den Abbau von Mineralien aufgewirbelt werden. Sie können darin nicht atmen und keine Nährstoffe aus dem Wasser aufnehmen.

Ein Beispiel ist die Schnecke Lirapex felix, die nach dem Glück der Forscher benannt wurde, sie gefunden zu haben. Sie gilt nun wegen der anhaltenden Bergbauerkundungen als vom Aussterben bedroht.

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Umweltschützer fordern Moratorium für Tiefseebergbau

Umweltschützer sehen den Tiefseebergbau äußerst kritisch. Ein großflächiger Abbau von Rohstoffen in den bisher fast unberührten Tiefen der Ozeane könnte nach Einschätzung von Fachleuten erhebliche Auswirkungen auf sensible Lebensräume und die Artenvielfalt haben. Die IUCN betonte, sie habe bereits 2021 für ein Moratorium im Tiefseebergbau gestimmt. „Bis nicht alle Risiken bekannt sind und die Meeresumwelt wirksam geschützt wird, sollten die Erkundungen des Meeresbodens und der Abbau von Mineralien gestoppt werden“, so die Organisation.

Wirtschaftliche Interessen vs. Artenschutz

Der Tiefseebergbau hat jedoch ein Multimilliarden-Dollar-Potenzial. Zahlreiche Interessenten haben es auf Rohstoffvorkommen am Meeresgrund abgesehen. Als wichtigste Ressource gelten Manganknollen, die Mangan, Eisen, Kobalt, Kupfer und Nickel enthalten – essenziell etwa für Batterien in Elektroautos. Die bisherigen Fördermengen werden in Zukunft nicht ausreichen. Weitere Rohstoffvorkommen finden sich in Massivsulfid-Lagerstätten in ehemals vulkanisch aktiven Gebieten oder in kupferhaltigem Schlamm am Meeresgrund.

Internationale Regeln fehlen: Trump gab Ozeanboden frei

US-Präsident Donald Trump hatte den Ozeanboden zum Rohstoffabbau freigegeben, ohne dass es dafür umfassende internationale Regeln gibt. Experten reagierten alarmiert und sprachen von „Geldverbrennung ohne Sinn“. Die Debatte um den Tiefseebergbau bleibt damit hochaktuell – während die Rote Liste der IUCN zeigt, dass die Artenvielfalt bereits jetzt unter den Erkundungen leidet.

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