Ein schweres Unwetter hat in der Nacht zu Samstag in mehreren Regionen Deutschlands Chaos verursacht. In der Sächsischen Schweiz wurde ein Mann von einem umstürzenden Baum getötet, drei Menschen wurden schwer und zehn weitere leicht verletzt. Insgesamt brachten die Einsatzkräfte 40 Personen in Sicherheit.
Unglück am Zugangsweg zur Felsenbühne
Der tödliche Vorfall ereignete sich in Rathen. Wie die Polizei mitteilte, starb der Mann, als ein Baum auf ihn fiel. Drei weitere Personen erlitten schwere Verletzungen, zehn wurden nach Angaben der Rettungsleitstelle verletzt. In der Nacht waren Polizei, Bergwacht und Rettungsdienste mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die Bergwacht setzte Drohnen ein, um den Hang und die angrenzenden Bereiche abzusuchen. Ein Sprecher der Bergwacht sagte, er habe den Eindruck, dass ein Teil des Hanges abgestürzt und mehrere Bäume ins Tal gestürzt seien. „Es scheint eine sehr lokal begrenzte und sehr starke Unwetterzelle gewesen zu sein“, erklärte er.
Die Rettungsleitstelle Dresden vermeldete, dass sich das Unglück auf einem Zugangsweg zur Felsenbühne in Rathen ereignet hat. Ein Polizeisprecher beschrieb die Situation am späten Abend als unübersichtlich. „Es ist vor Ort sehr unübersichtlich“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Dunkelheit erschwere die Orientierung, ein klares Lagebild sei wohl erst bei Tageslicht zu erwarten. Der Einsatz sollte auch am Morgen fortgesetzt werden, wie es aus der Leitstelle hieß. Bürgermeister Roman Rolof von den Freien Wählern hielt die Lage am Amselsee fotografisch fest, um sich einen Überblick zu verschaffen.
Nationalpark Sächsische Schweiz bleibt gesperrt
Der Nationalpark Sächsische Schweiz ist am Samstag für Besucher gesperrt. Die Behörden begründeten die Entscheidung mit akuter Lebensgefahr durch Sturmschäden. Es besteht die Gefahr, dass weitere Bäume umstürzen oder Äste herabstürzen. Auch Wege könnten durch umgestürzte Bäume oder Erdrutsche blockiert sein. In der Nacht waren etliche Einsatzkräfte damit beschäftigt, abgesperrte Bereiche zu kontrollieren und die Schäden zu erfassen.
Hunderte Einsätze in Stuttgart und Hamburg
In Stuttgart hat das Gewitter zahlreiche Schäden hinterlassen. Ein Feuerwehrsprecher berichtete, dass Bäume auf Autos, Stromleitungen und Straßen gestürzt seien. „Bäume fielen auf Pkw, auf Stromleitungen oder auf Straßen“, sagte er. Zudem waren Unterführungen überflutet, die Feuerwehr verzeichnete etwa 50 Einsätze. In ihrer Bilanz gegen Mitternacht teilte die Feuerwehr mit, dass ein umgestürzter Baum den Stadtbahnverkehr unterbrach und ein anderer eine Stromleitung abriss. Kurzzeitig blockierten Bäume auch den Weg zu einem Klinikgelände, sodass dieser erst freigeräumt werden musste.
In Hamburg gab es ebenfalls viele wetterbedingte Einsätze. Zwischen 18:30 und 21:00 Uhr zählte das Lagezentrum der Feuerwehr 85 Einsätze, die mit Wasser zu tun hatten, etwa vollgelaufene Keller oder überflutete Straßen. Hinzu kamen zwölf Einsätze, bei denen etwa Zäune oder Dachziegel zu fallen drohten. Verletzte gab es nicht, wie ein Mitarbeiter des Lagezentrums mitteilte. Die vielen Einsätze seien gut zu bewältigen gewesen, hieß es.
Waldbrand am Hochstaufen
In Oberbayern führte ein Blitzschlag zu einem Waldbrand. Am Berg Hochstaufen bei Bad Reichenhall entzündete ein Blitz den Wald. Die Polizei teilte am frühen Morgen mit, der Regen habe zwar gegen die Flammen geholfen, aber es glühten noch zahlreiche Glutnester. Erst bei Tageslicht könnten Hubschrauber mit den Löscharbeiten beginnen. Stadt und Feuerwehr warnten in einer Warnmeldung davor, das Gebiet zu betreten: „Beim Aufenthalt in diesem Bereich besteht Gefahr für Leib und Leben.“ Die Behörden rieten Anwohnern und Wanderern, das betroffene Areal weiträumig zu meiden.
Weitere Gewitter in Sicht
Die Wetterlage bleibt angespannt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet am Samstag mit gebietsweise kräftigem Regen und Gewittern von der Mitte bis in den Osten Deutschlands. In Baden-Württemberg und in Bayern südlich der Donau seien Quellwolken mit teils kräftigen Gewittern möglich. Für den frühen Vormittag warnten die Meteorologen vor starken Gewittern in einem Streifen von Thüringen über Sachsen-Anhalt bis nach Brandenburg; dort könnten bis zu 20 Liter Regen pro Quadratmeter fallen.
In weiten Teilen Deutschlands gestaltet sich der Samstag laut DWD überwiegend heiter und trocken. Die Temperaturen steigen in der Nordhälfte auf 20 bis 26 Grad, in der Südhälfte auf 25 bis 31 Grad. Die Behörden raten, die aktuelle Wetterlage zu beobachten und Warnungen des Deutschen Wetterdienstes ernst zu nehmen.



