„Juchhu! Das fünfte Enkelkind ist unterwegs!“ – diese frohe Botschaft überbrachte Axel Milberg einen Tag nach seinem 70. Geburtstag. Der Schauspieler, der als Kriminalhauptkommissar Klaus Borowski den Kieler „Tatort“ über zwei Jahrzehnte geprägt hat, stattete dem Münchener Jachtklub am Starnberger See im Rahmen des 43. Münchener Filmfestes einen Besuch ab. Im Gespräch mit BILD verriet er: Die Familie ist das größte Geschenk – und auch sonst hat er seine Einstellung zu Alter und Arbeit nicht geändert.
Runde Geburtstage: „Damit habe ich nichts zu tun“
Gefragt, ob ihn die 70 im Vorfeld beschäftigt habe, antwortete Milberg: „Ich habe keine Antwort darauf. Ehrlich gesagt kann ich mit diesen runden Geburtstagen nicht viel anfangen.“ Bis zur letzten Woche habe er gedreht, „hatte also keine Zeit, darüber nachzudenken“. Die Zahl selbst sei ihm fremd: „So vom Gefühl her habe ich damit tatsächlich nichts zu tun. Jedenfalls nicht mit der Zahl.“
Als Schauspieler habe er viele Leben ausprobiert und überlebt – „über 50 Mal bin ich in Filmen gestorben“, sagt Milberg: Selbstmord mit der Dienstwaffe, Mord, Überrollen von einem 20-Tonner, anschließende Auflösung im Säurebad. „Am Ende geht es um das Gefühl, lebendig zu sein. Und dieses Gefühl bleibt auch mit 70, habe ich mir sagen lassen, uneingeschränkt.“ Auf die Frage, ob ihn diese Rollen auf das Leben vorbereitet hätten, meinte er lachend: „Wie gut, werde ich wohl erst wissen, wenn es so weit ist. Allerdings werde ich in den letzten Minuten meines Lebens nicht mit BILD telefonieren, who knows …“
Wünsche: Demokratie, Freiheit und Frieden – und Schoko-Reiswaffeln
Auf die Frage nach Wünschen zum 70. nannte Milberg zuerst etwas Leichtes: „Diese Reiswaffeln mit Schokolade, zartbitter, sind schon eine Versuchung!“ Doch dann wurde er ernst: „Ich bin einer von Milliarden, die sich gerade alle das Gleiche wünschen: Demokratie, Freiheit, Frieden. Mögen Klugheit und Empathie über Besitzgier, Machtgeilheit und krankhafte Unberechenbarkeit siegen.“
Kein Ruhestand: „Ich werde fröhlich weiterarbeiten“
Während andere in seinem Alter den Ruhestand genießen, will Milberg weiter im Beruf bleiben. „Ja, ich werde fröhlich weiterarbeiten“, sagte er. Aber auch der Garten habe ihren Reiz: „Ich habe auch nichts dagegen, im Garten zu sein und Rosen zurückzuschneiden. Man kann so viel Neues lernen. Das hört nie auf.“ Was ihn mehr auf Trab halte – Arbeit oder Familie? „Beides!“
Im Moment genießt der Schauspieler eine kleine Auszeit: „Freie Sommertage, ohne Wecker, ohne strenges Programm. Ich freue mich darauf, keine Aufgaben zugeteilt zu bekommen und für mich zu sein, nichts zu tun. Schweigen. Schreiben. Lesen. Familie.“ Das größte Glück sei aber das Gefühl nach einem langen, harten Arbeitstag, „wenn etwas gelungen ist“.
Enkelkind-Verkündung: „Juchhu!“
Seine Familie hält ihn jung. Mit seiner Frau Judith ist Milberg seit mehr als 30 Jahren verheiratet, der jüngste Sohn lebt noch im gemeinsamen Haushalt. „Unser jüngster Sohn lebt noch bei uns, er macht gerade eine Ausbildung. Manchmal sehen wir ihn tagelang nicht“, verriet der Schauspieler. Das Nest sei dennoch nicht leer – im Gegenteil: „Das Nest wird immer wieder durch die wilde Enkelschar gefüllt. Allein das Aufräumen nach den Besuchen schaffen wir inzwischen unter 35 Minuten. Juchhu! Das fünfte Enkelkind ist unterwegs.“
Auf die Frage, ob er sich als Großvater im Schaukelstuhl sehe, antwortete Milberg mit einem Augenzwinkern: „Nein. Mir wird leider schlecht im Schaukelstuhl. Ich werde regelrecht seekrank.“ Und auf das leere Nest angesprochen, meinte er: „Haha! Wir nicht. Unser jüngster Sohn lebt noch bei uns, er macht gerade eine Ausbildung. Manchmal sehen wir ihn tagelang nicht.“
Leben nach dem „Tatort“: Von Borowski zu „Vienna Game“
Der Abschied von Kommissar Borowski falle nicht schwer, sagt Milberg: „Es war auch eine irre Reise mit Klaus Borowski. Ich zitiere meinen Kollegen Harrison Ford: Es ist schwierig, in den Beruf hineinzukommen. Aber noch schwieriger, aus dem Beruf wieder herauszufinden.“ (lacht)
Auch in Zukunft ist er gefragt: In der historischen Disney+-Miniserie „Vienna Game“, die im November 2026 erscheint, wird Milberg eine Rolle übernehmen. Und mit seiner Frau plant er eine große Reise: „Wir wollen durch Indien reisen. Haben wir immer wieder verschoben. Darauf sind wir sehr neugierig. Vielleicht wird’s aber auch Australien.“
Erkenntnisse mit 70: „Viel unnötiges Misstrauen“
Auf die Frage, was er als 70-Jähriger gern als 17-Jähriger gewusst hätte, antwortete Milberg: „Dass es viel mehr Menschen gut mit mir meinten, als ich es zunächst wahrnahm. An mich glaubten. Mit mir arbeiten wollten. In mir war viel unnötiges Misstrauen.“
Die Vergänglichkeit der Zeit wurde ihm kürzlich wieder bewusst, als er den Sechsteiler „Tassilo S. Grübel“ aus den Jahren 1988/89 wiedersah: „Ich drehte damals mit Bruno Ganz am Bodensee. Wir waren Kleinganoven, die sich als Detektive ausgaben. Das Wiedersehen nach so langer Zeit war merkwürdig und schön.“ Und wie fällt der Blick in den Spiegel aus? „Ich schaue nicht oft, aber bin zufrieden. Nächste Frage.“



