Russische Getreidelobby warnt vor Stopp der Exporte im Schwarzen Meer
Russische Getreidelobby warnt vor Stopp der Exporte

Die russische Getreidelobby hat am Freitag vor einem Stopp der Getreideexporte über das Schwarze Meer gewarnt. Der Verband der Getreideexporteure und -produzenten erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, ukrainische Drohnenangriffe auf russische Schiffe und Häfen könnten bald zu einer „vollständigen Blockade der Exportkorridore“ führen. Dies würde einen Ausfall von 30 bis 35 Millionen Tonnen russischen Weizens bedeuten – rund 15 Prozent des weltweiten Weizenhandels. Die Störung der Schifffahrt stelle „eine direkte Bedrohung für die globale Ernährungssicherheit“ dar, hieß es weiter. Der Verband warnte vor steigenden Preisen und möglichen Hungersnöten in Afrika und im Nahen Osten.

Russland ist der weltgrößte Weizenexporteur, die Ukraine ebenfalls ein bedeutender Agrarexporteur. In den vergangenen Wochen haben beide Seiten die Verladeanlagen und Handelsschiffe des jeweils anderen im Schwarzen Meer attackiert. Das russische Verteidigungsministerium teilte zudem mit, man habe einen Frachter mit Rüstungsgütern an Bord angegriffen, der sich auf dem Weg zu einem ukrainischen Hafen in der Nähe von Odessa befunden habe.

Polen fängt russisches Aufklärungsflugzeug ab

Die polnische Luftwaffe hat erneut ein russisches Aufklärungsflugzeug über der Ostsee abgefangen. Wie Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz auf der Plattform X mitteilte, seien zwei polnische Kampfjets vom Typ F-16 aufgestiegen. Der russische Aufklärer vom Typ Il-20 sei 40 Kilometer nördlich des Badeortes Kolobrzeg unterwegs gewesen. „Erneut befand sich das Flugzeug ohne Flugplan und mit ausgeschaltetem Transponder im internationalen Luftraum“, schrieb der Minister. Eine Verletzung des polnischen Luftraums habe nicht vorgelegen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Erst einen Tag zuvor war während schwerer russischer Luftangriffe auf die Ukraine ein Flugobjekt in den polnischen Luftraum eingedrungen und abgestürzt. Die Regierung in Warschau bestätigte inzwischen, dass es sich um einen russischen Marschflugkörper vom Typ Ch-101 handelte. Vizeverteidigungsminister Cezary Tomczyk erklärte beim Radiosender Rmf.fm, die Rakete sei beim Aufprall explodiert und potenziell sehr gefährlich, da sie auch Atomsprengköpfe transportieren könne. Ministerpräsident Donald Tusk hatte zuvor gesagt: „Alles deutet darauf hin, dass es sich um einen russischen Marschflugkörper handelt. Wir waren bereit, die Rakete abzuschießen, wenn sie weitergeflogen wäre.“ Der Absturzort nahe Tarnawa Kolonia liegt südlich von Lublin und 90 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Verletzt wurde niemand.

Der Vorfall alarmierte auch die Nato. Generalsekretär Mark Rutte sicherte Polen nach einem Gespräch mit Donald Tusk die volle Solidarität des Bündnisses zu. Der Sprecher des militärischen Nato-Hauptquartiers in Mons, Martin O'Donnell, erklärte, sowohl Polen als auch die Nato hätten Luft- und Bodenverteidigungsfähigkeiten aktiviert. Neben zwei polnischen F-16 seien ein Nato-Tankflugzeug vom Typ Airbus A330, ein polnisches Saab-340-Frühwarnflugzeug sowie ein polnischer Hubschrauber vom Typ Mi-24 alarmiert und eingesetzt worden. Auch Rumänien ließ nach der Entdeckung von Flugkörpern nahe der Grenze zur Ukraine zwei Kampfjets aufsteigen und warnte die Bevölkerung im Grenzbezirk Tulcea.

Trump zögert bei Patriot-Lizenzen

US-Präsident Donald Trump hat sich zurückhaltend zu einer möglichen Vergabe von Lizenzen an die Ukraine zur Herstellung von Patriot-Abfangraketen geäußert. „Wir haben dem nicht zugestimmt. Wir sprechen darüber“, sagte Trump in einer Kabinettsitzung. Man müsse besonnen und vorsichtig vorgehen, es sei eine schwierige Entscheidung, eine solche Technologie aus der Hand zu geben. Der „Financial Times“ sagte er, er sei „nicht sicher“, ob er die Lizenz gewähren werde: „Wir schauen uns das an. Es ist eine sehr außergewöhnliche Waffe, und wir müssen ein bisschen vorsichtig sein, wem wir die Lizenz geben. Wir lizenzieren Ausrüstung nicht wirklich.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Diese Äußerungen widersprechen früheren Ankündigungen. Anfang Juli hatte Trump der Ukraine am Rande des Nato-Gipfels in Ankara die Vergabe einer Lizenz in Aussicht gestellt. Nach einem Gespräch mit Trump im Weißen Haus erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Interview mit dem Fox-News-Moderator Sean Hannity: „Er hat zugesagt, uns die Lizenzen zu erteilen.“ Die Ukraine will sich mithilfe der Patriots besser gegen die massiven russischen Luftangriffe verteidigen.

Die ukrainische Botschafterin in Washington, Olha Stefanischyna, sagte, die Regierung in Kiew verhandele mit dem US-Verteidigungsministerium über die Erlaubnis, Patriot-Abfangraketen selbst zu produzieren. Dieser Prozess könne jedoch ein bis fünf Jahre dauern. Vertreter des Patriot-Herstellers Raytheon seien bereits in der Ukraine gewesen, Lockheed Martin, das die PAC-3-Abfangraketen herstellt, arbeite daran, ebenfalls ein Expertenteam zu entsenden. „Die verheerenden Auswirkungen jedes nächtlichen Angriffs sind derzeit unglaublich. Letzte Nacht und in der Nacht davor waren es 30 bis 40 ballistische Raketen“, sagte Stefanischyna bei einer Veranstaltung.

Ukraine weitet Angriffe auf russische Logistik aus

Das ukrainische Militär hat nach Angaben von Präsident Selenskyj Logistikeinrichtungen in den russischen Regionen Sarapul, Kasan und Wolgograd angegriffen. Zudem sei ein Seehafen in der Region Krasnodar beschossen worden. In Wolgograd sorgte eine Attacke für einen Brand auf dem Gelände der Ölraffinerie, die eine Jahreskapazität von rund 15 Millionen Tonnen Öl hat. Auch das Exportterminal für Sonnenblumenöl im Hafen Taman wurde nach Angaben aus Agrarmarkt-Kreisen beschossen, ebenso wie das Getreideterminal, das erhebliche Schäden erlitt. Der ukrainische Geheimdienst SBU erklärte, er habe Infrastruktur in Taman an der Straße von Kertsch unter Feuer genommen.

Der russische Online-Händler Ozon evakuierte wegen einer Drohnenwarnung ein Lager in der Region Tatarstan. Das Zentrum sei unbeschädigt geblieben und habe den Betrieb inzwischen wieder aufgenommen, teilte das Unternehmen mit. Beim Konkurrenten Wildberries geriet ein Logistikzentrum in Wolgograd nach einem Drohnenangriff in Brand; Mitarbeiter kamen nicht zu Schaden. Seit dem 18. Juli wurden bereits mindestens ein Dutzend Wildberries-Lager angegriffen. Die Ukraine argumentiert, dass über den Online-Handel auch das russische Militär beliefert werde. Zudem teilte das ukrainische Militär mit, vier russische Tanker im Schwarzen und Asowschen Meer getroffen zu haben. Innerhalb von drei Wochen seien insgesamt 205 Tanker angegriffen worden – 130 im Asowschen und 75 im Schwarzen Meer.

Luftabwehr und Raketenangriffe

Die russischen Streitkräfte meldeten, in der Nacht 258 ukrainische Drohnen abgefangen zu haben. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte, über der Hauptstadt seien vier Drohnen zerstört worden. Das Ausmaß der Schäden war zunächst unklar. Selenskyj erklärte nach dem russischen Großangriff am Samstag, sein Land habe nur eine von 27 ballistischen Raketen abschießen können. Russland habe insgesamt 35 Raketen und 185 Kampfdrohnen abgefeuert, das Hauptziel sei Kiew gewesen. Offiziellen Angaben zufolge wurden dabei mindestens neun Menschen getötet und 28 verletzt. Bei einem weiteren nächtlichen Angriff auf Kiew kamen nach Behördenangaben mindestens vier Menschen ums Leben, 15 wurden verletzt, darunter zwei Teenager. Ein fünfstöckiges Wohnhaus wurde durch herabstürzende Raketentrümmer beschädigt, mehrere Menschen wurden eingeschlossen.

Nach Informationen zweier Insider setzte Russland bei einem Angriff auf Krywyj Rih wahrscheinlich eine nordkoreanische Rakete ein – das erste Mal seit fast einem Jahr. Dies deute darauf hin, dass Moskau über neue Waffenvorräte verfüge, hieß es.

Internationale Reaktionen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilte den Einschlag der russischen Rakete in Polen als „inakzeptable Verletzung des Luftraums der Europäischen Union“. Um dem ein Ende zu setzen, helfe die EU der Ukraine auf jede erdenkliche Weise, diesen Krieg zu gewinnen. Zudem baue die EU eine robuste Sicherheitsarchitektur an Land, auf See und in der Luft auf. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nannte die massiven Angriffe Russlands „auf das Schärfste“ verurteilenswert und schrieb auf X: „Unsere Unterstützung für die Ukraine und unsere Verbündeten ist unerschütterlich.“

Die EU verschärft derweil die Regeln für wehrfähige ukrainische Männer. Sie profitieren in Deutschland und anderen Mitgliedsländern künftig nicht mehr von vereinfachten Aufnahmeregeln, wie ein Sprecher nach einem entsprechenden Beschluss des Rates mitteilte.