Erdbeben der Stärke 4,7 erschüttert Neapel: 21 Verletzte
Erdbeben der Stärke 4,7: 21 Verletzte in Neapel

Ein heftiges Erdbeben der Stärke 4,7 hat am Freitagabend die süditalienische Stadt Neapel und ihre Umgebung erschüttert. Nach Behördenangaben wurden 21 Menschen verletzt, zwei von ihnen schwer. Es war das stärkste Beben in der Region seit 40 Jahren, wie das italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) mitteilte.

Das Epizentrum lag den Angaben des INGV zufolge in den Phlegräischen Feldern westlich von Neapel. Die Erschütterungen waren nicht nur in der Millionenstadt selbst deutlich zu spüren, sondern auch auf den Inseln Ischia und Procida. Viele Menschen liefen in Panik auf die Straßen, als der Boden zu beben begann.

Schwere Schäden in Pozzuoli

Besonders schwer getroffen hat das Beben die Hafenstadt Pozzuoli. Italienischen Medienberichten zufolge stürzten dort Mauern und Fassadenteile herab, mehrere Tuffsteinhänge gaben nach. Felsbrocken und Trümmerteile beschädigten geparkte Autos, an zahlreichen Gebäuden entstanden teils erhebliche Schäden. Die Präfektur richtete umgehend ein Krisenzentrum ein, um die Rettungs- und Aufräumarbeiten zu koordinieren.

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Der Verkehr rund um Neapel kam zeitweise zum Erliegen. Der Bahnverkehr wurde unterbrochen, auch der Hafen von Pozzuoli musste vorübergehend geschlossen werden. Zahlreiche Menschen versuchten, aus der Stadt zu gelangen, wodurch sich auf den Ausfallstraßen lange Staus bildeten.

Nacht aus Angst vor Nachbeben im Freien

In der Nacht getrauten sich viele Bewohner nicht, in ihre Häuser zurückzukehren. Sie verbrachten die Stunden auf Straßen und Plätzen, denn immer wieder gab es Nachbeben. Das stärkste registrierte Nachbeben erreichte eine Stärke von 3,8 auf der Richterskala. Jede Erschütterung versetzte die Menschen erneut in Alarmbereitschaft.

Die Behörden richteten in den betroffenen Gemeinden mehrere Notunterkünfte und Anlaufstellen ein, in denen Bürger Informationen erhielten und übernachten konnten. Der Zivilschutz rief die Bevölkerung auf, beschädigte Gebäude vorerst zu meiden und sich von herunterhängenden Fassaden fernzuhalten.

Regierung in Kontakt mit dem Zivilschutz

Die italienische Regierung verfolgt die Entwicklung der Lage nach eigenen Angaben aufmerksam. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni steht in engem Kontakt mit dem Zivilschutz und den zuständigen Behörden, wie es aus Regierungskreisen hieß. Ziel ist es, die Sicherheit der Menschen in der Region zu gewährleisten und auf weitere Erdstöße schnell reagieren zu können.

Das INGV wertet derweil kontinuierlich die Daten aus dem seismischen Netzwerk aus. Nach Angaben des Instituts steht das aktuelle Erdbeben in direktem Zusammenhang mit der seit Jahren andauernden Bodenhebung in den Phlegräischen Feldern.

Die Phlegräischen Felder: Ein ruheloser Supervulkan

Die Phlegräischen Felder westlich von Neapel gelten als Europas größter aktiver Supervulkan. Das Gebiet ist eine weitläufige Caldera, die sich über mehrere Orte erstreckt. Seit Jahren beobachten Experten dort den sogenannten Bradyseismus, eine langsame Hebung und Senkung des Bodens, die durch aufsteigendes Magma und heiße Fluide verursacht wird.

Diese Bewegungen führen zu Spannungen im Untergrund, die sich immer wieder in Erdbeben entladen. Bereits in der Vergangenheit wurde die Region wiederholt von starken Erdstößen erschüttert. Wissenschaftler weisen darauf hin, dass das Gebiet dicht besiedelt ist, was das Risiko erhöht. Die Überwachungsinstrumente, darunter Seismometer und GPS-Stationen, werden deshalb kontinuierlich betrieben, um Veränderungen im Untergrund frühzeitig zu erkennen.

Für die Bewohner von Neapel und Pozzuoli bleibt die Situation angespannt. Die Erschütterungen haben sichtbare Spuren hinterlassen – von zerbrochenen Fassaden bis zu verschobenen Felsbrocken. Ob weitere starke Beben folgen, lässt sich nicht vorhersagen. Die Behörden bitten die Bevölkerung um Wachsamkeit und Geduld, während die Messstationen jede Regung im Erdinneren erfassen.

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