Verheerende Waldbrände bei Bordeaux: Feuerhaufenwolken treiben Feuerwehr an die Grenzen
Waldbrände Bordeaux: Feuerhaufenwolken überfordern Feuerwehr

Die Waldbrände in der Region Bordeaux zählen zu den schlimmsten in der Geschichte Frankreichs. Eine Fläche so groß wie Bremen ist bereits zerstört – und die Feuer wüten weiter. Wer kann, verlässt die Vororte der Metropole. BILD-Reporter Sebastian Prengel beobachtet die apokalyptischen Szenen vor Ort.

Feuerhaufenwolken treiben Feuerwehr zur Verzweiflung

„Das Feuer breitet sich völlig willkürlich und richtungslos aus“, sagt Guillaume Millet von der Feuerwehr des Départements Gironde gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. „Wir können es nicht vorhersehen.“ Ursache ist ein Phänomen, das es in Europa bislang nicht gab: sogenannte Feuerhaufenwolken, in der Meteorologie als Pyrocumulonimbus bekannt.

Diese Wolken entstehen, wenn der glühende Waldboden die Luft so stark erhitzt, dass sie schnell aufsteigt und Wolken aus Asche und Rauch bildet. Die Aschepartikel vermischen sich mit Luftfeuchtigkeit, laden sich durch heftige Windböen elektrostatisch auf und entladen sich in Gewittern. Die Blitze entfachen immer neue Brände – ein Kreislauf, der kaum zu stoppen ist.

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Ein Phänomen aus Nordamerika

Bislang wurde dieses Wetterphänomen nur bei Flächenbränden in den USA und Kanada beobachtet, wie die Frankfurter Rundschau unter Berufung auf den französischen Meteorologen Eric Rigolot berichtet. Nun tritt es erstmals in Europa auf – und bringt die Löscharbeiten an ihre Grenzen. Die Hitze ist so groß, dass Löschwasser aus Flugzeugen bereits in der Luft verdunstet und selbst Regen verdampft, bevor er den Boden erreicht. Zudem wechseln die Feuerstürme ständig die Richtung.

Der Kampf um Bordeaux hat längst begonnen. Feuerwehr-Oberstleutnant David Annotel warnt gegenüber dem Sender France Inter: „Wir stoßen an die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit und stehen kurz vor einer operativen Unmöglichkeit.“

Prognosen für die Zukunft

Warum das Phänomen jetzt in Frankreich und Spanien auftritt, liegt an extremer Trockenheit und ungewöhnlich häufigen Hitzewellen seit Mai. Der Juni war in Frankreich der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Laut der World Meteorological Organization (WMO) der Vereinten Nationen erwärmt sich Europa schneller als andere Kontinente. Das Waldbrandrisiko werde steigen, es werde häufiger „Feuerwetterlagen“ geben.

Besonders gefährdet sind Gegenden mit feuerempfindlichen Wäldern – wie jene westlich von Bordeaux. Dort wachsen fast ausschließlich Seekiefern, deren Nadeln sehr schnell brennen und extreme Hitze entwickeln. Die wissenschaftlichen Erklärungen helfen der Stadt jedoch nicht weiter. Die Feuerwehr arbeitet am Limit, die Evakuierungen laufen auf Hochtouren. Bordeaux ringt um seine Existenz.

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