Deutsche Bahn in der Dauerkrise: Pünktlichkeit, Finanzen und Konkurrenz
Bahn in Dauerkrise: Pünktlichkeit und Milliardenverlust

Am Donnerstag legt die Deutsche Bahn ihre Halbjahreszahlen vor – ein weiterer Prüfstein für den angeschlagenen Staatskonzern. Das öffentliche Bild ist mehr als angekratzt: Züge sind unzuverlässig, Anschlüsse werden verpasst, und die wirtschaftliche Lage ist prekär. Bahnchefin Evelyn Palla steht vor enormen Herausforderungen. Ein Überblick über die größten Baustellen.

Pünktlichkeit auf einem Tiefstand

Im Juni erreichten lediglich 52,6 Prozent aller Fernverkehrshalte rechtzeitig ihr Ziel – mit einer Verspätung von maximal 5:59 Minuten. Dieser Wert liegt noch unter den ohnehin schwachen Vormonaten. Ausgefallene Züge sind in dieser Statistik nicht enthalten. Für das Gesamtjahr hatte die Bahn eine Pünktlichkeit von mindestens 60 Prozent angepeilt.

Als Hauptgrund nennt der Konzern die marode Infrastruktur und zahlreiche Baustellen. „Eine Bahn, die stolz macht, ist keine Utopie, sondern Anspruch und Ansporn für jeden Tag“, sagte Palla kürzlich. Doch bis es wirklich besser wird, dürfte es Jahre dauern. Erst zum 200-jährigen Jubiläum der Eisenbahn im Jahr 2035 rechnet die Bahn wieder mit einer Pünktlichkeit von über 80 Prozent.

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Milliardenverlust und Sparkurs

Wirtschaftlich steht die Bahn massiv unter Druck. Für das Jahr 2025 wies sie einen Verlust von rund 2,3 Milliarden Euro aus. Immerhin verbesserte sich das operative Ergebnis (Ebit) um 630 Millionen auf plus 297 Millionen Euro. Für das laufende Jahr sind etwa 600 Millionen Euro anvisiert. Chefin Palla treibt einen Konzernumbau voran, der Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen umfasst. Im Fernverkehr läuft ein eigenes Sanierungsprogramm.

Besonders kritisch ist die Lage bei DB Cargo: Die Güterverkehrssparte muss bis 2026 schwarze Zahlen schreiben, sonst drohen EU-Sanktionen. Cargo-Chef Bernhard Osburg plant in Deutschland den Abbau von 6.200 Stellen.

Infrastrukturinvestitionen: Bund kürzt

Das Schienennetz wurde jahrzehntelang unterfinanziert. Der Bund investierte 2025 gut 220 Euro pro Kopf in die Infrastruktur. Dirk Flege, Geschäftsführer des Interessenverbands Allianz Pro Schiene, erwartet für 2026 zwar einen leichten Anstieg, warnt aber: „Der Bund muss endlich eine verlässliche Finanzierung über mehrere Jahre aufbauen, wie es etwa in der Schweiz seit vielen Jahren der Fall ist.“ 2027 sollen die Investitionen laut Bundesregierungsplänen um 1,3 Milliarden Euro gegenüber 2026 sinken.

Das Bundesverkehrsministerium unter dem jüngst zurückgetretenen Minister Patrick Schnieder (CDU) arbeitet an einem Verkehrsinfrastrukturfonds zur langfristigen Finanzierung von Sanierung und Ausbau.

Konkurrenz am Horizont

Ab 2028 will das italienische Unternehmen Italo den deutschen Fernverkehr aufmischen, und Flixtrain kündigt eine Offensive mit neuen Zügen an. Die Bundesnetzagentur hat entschieden, auf hochbelasteten Strecken Wettbewerbern mehr Trassen zu geben – zulasten der Bahn. Der Konzern warnt, dass dadurch weniger profitable Linien mit Halten in kleineren Städten gefährdet werden. Ob die Fahrgäste von sinkenden Ticketpreisen oder unübersichtlichen Angeboten profitieren, bleibt offen.

Keine Streiks bis 2027

Die Tarifverträge mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) laufen bis Ende 2027. Damit herrscht für die kommenden Jahre Friedenspflicht, was der Bahn Planungssicherheit gibt. Überraschungen aus dieser Richtung sind für die Jahresbilanzen nicht zu erwarten.

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