Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat nach dem bundesweiten Totalausfall der Deutschen Bahn am Dienstagabend eine umfassende Aufklärung gefordert. „Sollte es sich um Probleme mit Hardware-Komponenten oder um ein Update-Problem eines Servers handeln, müsse die Bahn ihre Systeme so aufstellen, dass sich das nicht wiederhole“, sagte der CDU-Politiker. Der Vorfall hatte den Zugverkehr in ganz Deutschland für rund zwei Stunden lahmgelegt.
Ursache der Störung: Fehlerhaftes Update vermutet
Die Störung des digitalen Bahnfunksystems GSM-R hatte am späten Dienstagabend zu einem kompletten Stillstand geführt. Kurz nach Mitternacht wurde das Problem behoben, und gegen 0.30 Uhr fuhren die ersten Züge wieder. Am Mittwochmorgen lief der Zugverkehr nach Angaben der Bahn reibungslos an. Sämtliche Strecken seien uneingeschränkt befahrbar, und das volle Zugangebot im Regional- und Fernverkehr fahre weitestgehend planmäßig.
Die Bahn machte zunächst keine näheren Angaben zur genauen Ursache. Diese sei in der Nacht identifiziert und rasch behoben worden, hieß es bei dem bundeseigenen Konzern. Details könnten noch nicht genannt werden. Sicherheitsbehörden gehen nach Informationen des RBB nicht von Sabotage aus. Auch die Bahn selbst halte einen Cyber-Angriff für sehr unwahrscheinlich, verlautete aus Sicherheitskreisen. Als Ursache werde ein fehlerhaftes Update der Deutschen Bahn vermutet. Von einem Software-Update berichteten Bahnmitarbeitende auch dem SWR. Sicherheits- und IT-Experten sind aktuell auf Fehlersuche.
Kritik von Politikern: „Tiefpunkt bei ohnehin schwacher Betriebsqualität“
Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) übte deutliche Kritik an der Bahn. „Das macht mich fassungslos. Dass durch einen technischen Defekt der komplette Bahnverkehr in Deutschland zum Erliegen kommt, ist ein neuer Tiefpunkt bei einer ohnehin schwachen Betriebsqualität“, sagte Krischer. „Ich erwarte, dass die Bahn diesen Vorfall transparent und lückenlos aufklärt. Es kann nicht sein, dass wegen des Ausfalls eines Systems Zehntausende Menschen die Nacht in Zügen und Bahnhöfen verbringen müssen.“ Der NRW-Minister äußerte auch Kritik am Notfallmanagement. Nötig seien Notfallmechanismen, die ein solches Desaster in Zukunft vermeiden.
Der stellvertretende SPD-Fraktionschef im Bundestag, Armand Zorn, forderte rasche Maßnahmen. „Wenn eine technische Störung den Bahnverkehr in großen Teilen Deutschlands beeinträchtigen kann, dann muss schnell und umfassend gehandelt werden.“ Die Sicherheitsbehörden, die Bahn und das Bundesverkehrsministerium müssten die Ursache umgehend ausfindig machen und zeitnah die Sicherheit der Systeme verbessern. Der bundesweite Ausfall des Zugfunks zeige einmal mehr, wie verwundbar Teile der kritischen Infrastruktur seien, betonte Zorn. „Ein reibungsloser und krisenfester Bahnverkehr ist für Millionen Menschen, Unternehmen und auch für die militärische Sicherheit unerlässlich. Der Bahnverkehr ist eine Frage der nationalen Sicherheit.“
Auswirkungen auf Reisende: Gestrandet und ohne Informationen
Viele Reisende saßen am späten Dienstagabend durch den Ausfall fest. Zwar wurden laut einem Bahnsprecher Taxi- und Hotelgutscheine ausgegeben – in Frankfurt am Main berichteten Menschen jedoch, es gebe in der ganzen Stadt kein Hotelzimmer mehr. Ein ICE nach Mannheim und Stuttgart fuhr dort nahezu ohne Passagiere los, da niemand den vielen Wartenden vor der Abfahrt Bescheid gegeben hatte. Am Berliner Hauptbahnhof beklagten Fahrgäste, dass es keine Auskünfte gab. Die Bahn-Mitarbeiter seien jedoch freundlich und ansprechbar gewesen, hieß es.
Regional unterschiedliche Auswirkungen
Betroffen waren in einigen Städten auch S-Bahnen, die von der Deutschen Bahn betrieben werden, ebenso Privatbahnen und der Güterverkehr. In Berlin war der Verkehr im gesamten S-Bahn-Netz eingestellt. Grund sei eine netzweite Störung im Kommunikationssystem, teilte die Berliner S-Bahn mit. In Stuttgart hieß es: „Derzeit werden alle S-Bahnen im gesamten S-Bahn-Netz an den Bahnsteigen zum Halten gebracht.“ In Hamburg hingegen war der Verkehr der Hochbahn nicht betroffen. Das Unternehmen Metronom, das Nahverkehrszüge in Niedersachsen, Bremen und Hamburg betreibt, teilte mit, dass alle Züge auf allen Strecken betroffen seien.



