Die Sanierung des Berliner Bahnhofs Zoologischer Garten wird sich bis ins Jahr 2032 hinziehen. Damit benötigt das Projekt länger als der Bau des Hauptstadtflughafens BER. Die Kosten haben sich von ursprünglich 15 Millionen Euro auf mindestens 250 Millionen Euro mehr als versechzehntfacht. Aktuell informierte sich Berlins Bahnchef Alexander Kaczmarek vor Ort über den Fortschritt der Arbeiten im ehemaligen Zentralbahnhof von West-Berlin.
Hintergrund der Verzögerungen
Bereits 2015 hatte die Deutsche Bahn (DB) mit der Sanierung begonnen. Geplant war eine kleine Lösung für 15 Millionen Euro mit Fertigstellung bis 2020. Doch es kam anders: „Unglaubliche Überraschungen“ während der ersten Arbeiten, so Kaczmarek vor Jahren, zwangen die DB zur Kernsanierung. Seit 2022 ist die S-Bahn-Halle gesperrt, Umsteiger zur BVG müssen Umwege in Kauf nehmen. Die Halle ist inzwischen völlig entkernt. Die Wiedereröffnung des zentralen Bereichs für Fahrgäste verschiebt sich auf 2028. Insgesamt sollen 25 neue Geschäfte einziehen, um die Ladenflächen zu erweitern und zusätzliche Einnahmen zu generieren.
Stadtbahn-Sperrung ab Sonntag
Am kommenden Sonntag beginnt eine neue Phase: Die Stadtbahn wird für den Regional- und Fernverkehr für ein halbes Jahr gesperrt. Bis Mitte Dezember verkehren keine Fern- und Regionalzüge zwischen Ostbahnhof und Charlottenburg. Fahrgäste müssen auf die parallel fahrende S-Bahn ausweichen. Fernzüge werden durch den Tunnel umgeleitet oder enden in Charlottenburg beziehungsweise am Ostbahnhof. In Spandau entfällt aus Kapazitätsgründen der Halt der ICE und EC von und nach Hamburg. Viele Regionalzüge fallen abschnittsweise aus.
Arbeiten während der Sperrung
Die Bahn bündelt in diesen sechs Monaten diverse Arbeiten. So wird am Zoologischen Garten mit der Erneuerung der Fernbahnhalle begonnen. Diese muss auf den aktuellen Stand des Brandschutzes gebracht werden. Silvester 2017 hatte es in der Halle gebrannt, wobei gravierende Mängel auffielen – der Rauch zog nicht ab. Deshalb werden jetzt Abzüge im Dach für Rauch und Wärme eingebaut. Da die Station unter Denkmalschutz steht, müssen die Klappen möglichst unauffällig konstruiert werden, berichtete Projektleiter Thorsten Schulz. Der Anblick der Unterseite des Daches dürfe nicht beeinträchtigt werden. „Bauen auf der grünen Wiese ist einfacher“, sagte Schulz.
Logistik und Baufortschritt
Der Hardenbergplatz in Charlottenburg ist bereits zu einem beträchtlichen Teil gesperrt – dies betrifft aber nur Autoparkplätze. Die Bahn benötigt die Flächen für die Logistik. In den kommenden Jahren müssen etwa 500 Kubikmeter Beton aus der Dachkonstruktion entfernt und abtransportiert werden. Damit über den Gleisen gearbeitet werden kann, wird bis Dezember zunächst eine Zwischendecke eingezogen. Die Glasfassade zum Hardenbergplatz ist bereits eingerüstet; alle Glasscheiben werden ersetzt.
Zugänge und provisorische Unterkünfte
Der Osttunnel ist schon seit Wochen gesperrt, dort ist kein Zugang mehr zu den Fern- und Regionalbahnsteigen möglich. Die beiden Hallen über den vier Fernbahngleisen und den beiden S-Bahn-Gleisen sollen 2029 fertig sein. Da am Zoo nur nacheinander gebaut werden kann, ist Geduld gefragt. Die Wache der Bundespolizei ist seit Jahren provisorisch in Containern auf dem Hardenbergplatz untergebracht. Die 100 Beamten sollen 2027 in die Bögen unter den Bahnsteigen zurückkehren. Anschließend muss die Bahnhofsmission ihre Räume an der Jebensstraße verlassen; auch für sie wird es ein provisorisches Quartier geben.
Weitere Sperrungen und Ausblick
Erneuert werden auch die drei Bahnsteige. Für Fahrgäste bedeutet das: Es wird in den kommenden Jahren noch diverse längere Sperrungen der Gleise der Fernbahn und der S-Bahn geben. Wie sehr sich das Projekt verzögert hat, ist gut an den Halteverbotsschildern in der Jebensstraße zu sehen: Mehrfach wurde die Gültigkeit überklebt. Ganz am Ende folgt „Abschnitt 7“, dann muss der bekannte Supermarkt Ullrich ausziehen. Die Sanierung der kleinen Halle zum S-Bahnsteig und der großen Ullrich-Flächen soll voraussichtlich von 2029 bis 2032 dauern. Fertig sind bislang die Fernbahnhalle und die „Terrassen am Zoo“, in die eine Fast-Food-Kette einzog.
Betonkonstruktion bleibt
Am Mittwoch wurde bei der Besichtigung bekannt, dass die Station keineswegs komplett erneuert wird: Die Betonkonstruktion, auf der die Bahnsteige und Gleise liegen, bleibt, wie sie ist. Der Zustand des Betons sei aktuell gut. Auf Nachfrage wollte die Bahn allerdings nicht ausschließen, dass irgendwann nach 2032 eine weitere Sanierung droht.



