ICE zwischen Berlin und Hamburg: Verspätungen und Ursachen
ICE zwischen Berlin und Hamburg: Verspätungen und Ursachen

Holprige Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke: Warum die ICE zwischen Berlin und Hamburg weiter bummeln

Die meisten ICE benötigten am Sonntag zwei Stunden und 15 Minuten zwischen Berlin und Hamburg – 30 Minuten mehr als ursprünglich geplant. Woran das liegt und wann mit Besserung zu rechnen ist.

Der Schaffner des Flixtrains, der an diesem frühen Sonntagnachmittag von Hamburg nach Berlin fährt, verzichtet irgendwann auf jede Zurückhaltung. „Bedanken für die ganze Verspätung können wir uns bei dem Infrastrukturbetreiber“, erklärt er seinen Fahrgästen. Die zuständige Tochter der Deutschen Bahn, DB InfraGO, habe die Strecke Berlin–Hamburg nach einer zehneinhalbmonatigen Generalsanierung nur wegen der Pressewirksamkeit bereits an diesem Sonntag eröffnet, „anstatt diese auch mal ansatzweise zu sanieren“, schimpft er. In Berlin kommt dieser Flixtrain schließlich mit über 30 Minuten Verspätung an. Der grüne Zug des privaten Betreibers ist damit kein Einzelfall. Auch die ICE der Bahn und die Railjets der tschechischen Staatsbahn CD fangen sich auf der frisch sanierten Strecke am ersten Betriebstag mindestens eine Viertelstunde Verspätung ein.

Neue Strecke mit „Langsamfahrstellen“

Dabei hatte die Bahn die Fahrzeiten der Züge im Fahrplan kurzfristig bereits vorsorglich um rund 15 Minuten verlängert. Insgesamt benötigten die meisten Fernzüge auf der Strecke am Sonntag mehr als zwei Stunden und 15 Minuten. Eigentlich sollten die schnellsten ICE auf der Strecke nach der Wiedereröffnung nur eine Stunde und 47 Minuten zwischen den beiden Hauptbahnhöfen benötigen.

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Zwei Probleme sorgten für die großen Verspätungen am Sonntag. Zum einen haben die Prüfer das LZB-Zugsicherungssystem, das eine Geschwindigkeit von 230 Kilometern pro Stunde erlaubt, noch nicht überall entlang der Strecke abgenommen. Stattdessen werden die Fernzüge auf den betroffenen Abschnitten derzeit mit dem PZB-System gesichert, das nur Tempo 160 erlaubt. Dieses Problem ist schon seit einigen Tagen bekannt. Hinzu kam am Sonntag, dass auf dem Streckenabschnitt zwischen Wittenberge und Berlin noch nicht genug sogenannte Belastungsfahrten stattgefunden hatten. Dabei schickt die Bahn einige besonders schwere Güterzüge über die Strecke, um die Schottersteine im Gleisbett zu verdichten. Die Bahn musste deshalb am Sonntag eine Langsamfahrstelle einrichten. Auf dem östlichen Teil der knapp 280 Kilometer langen Strecke konnten die Züge nur 140 Kilometer pro Stunde fahren.

Immerhin dieses Problem hat die Bahn behoben. Inzwischen hätten ausreichend Belastungsfahrten stattgefunden, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Die Langsamfahrstelle habe man deshalb am Montagvormittag aufheben können. Bis zum frühen Montagnachmittag war allerdings noch nicht erkennbar, dass sich die Pünktlichkeit der Fernzüge dadurch wesentlich verbessert. Das LZB-Zugsicherungssystem will die Bahn ohnehin erst Ende Juni in Betrieb nehmen. Erst, wenn diese Technik läuft, können die ICE und Railjets wieder auf dem Großteil der Strecke mit 230 km/h fahren.

Die Angst vor dem Baustellen-Chaos

Hat der Flix-Schaffner also recht, dass die Bahn die Strecke vorzeitig in Betrieb genommen hat, nur um die Blamage einer erneuten Verschiebung des Starttermins zu verhindern? Schließlich hatten die Bauarbeiten wegen des langen Frosts im Winter bereits sechs Wochen länger als ursprünglich geplant gedauert. Ganz so einfach ist es nicht. Denn eine erneute Verschiebung hätte wohl zu weitreichenderen Problemen geführt als die aktuellen Verspätungen der Fernzüge. Das liegt an der eng getakteten Baustellenplanung der Bahn. Zeitgleich mit der Inbetriebnahme der Strecke zwischen Berlin und Hamburg hat die Bahn die Gleise zwischen Hamburg und Hannover bis zum 10. Juli für Bauarbeiten weitgehend gesperrt. In Berlin fahren auf der Stadtbahn seit Sonntag zwischen den Stationen Charlottenburg und Ostbahnhof ein halbes Jahr keine Regional- und Fernzüge. Ohne Wiedereröffnung der Strecke Berlin–Hamburg hätte die Bahn diese Bauarbeiten wohl verschieben müssen – und damit ein großes Chaos angerichtet.

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