Seit Mitte Juni verkehrt die neue S-Bahn-Linie S15 in Berlin zwischen den Stationen Wedding und Hauptbahnhof. Die Strecke ist das Ergebnis von Planungen, die fast drei Jahrzehnte zurückreichen. Bereits in den 1990er Jahren gab es erste Untersuchungen für eine zusätzliche Verbindung im Berliner S-Bahn-Netz. Der lange Vorlauf hat jedoch deutliche Auswirkungen auf die Kosten gehabt, wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bestätigten.
Planungsgeschichte seit den 1990ern
Die Idee für die Linie S15 entstand bereits in den 1990er Jahren, als der Berliner Senat erste Machbarkeitsstudien in Auftrag gab. Ursprünglich sollte die Strecke schon früher realisiert werden, doch verschiedene Faktoren führten zu Verzögerungen. „Die Planungen begannen vor fast 30 Jahren, aber immer wieder gab es Prioritätenverschiebungen und Finanzierungsfragen“, erklärte ein Sprecher der BVG.
Die Strecke selbst ist relativ kurz: Sie verbindet den Weddinger Stadtteil mit dem Hauptbahnhof und soll vor allem Pendler entlasten. Die Bauarbeiten begannen schließlich im Jahr 2023 und wurden im Juni 2026 abgeschlossen. Die Kosten für das Projekt stiegen im Laufe der Jahre erheblich. Waren ursprünglich rund 50 Millionen Euro veranschlagt, beliefen sich die Gesamtkosten letztlich auf etwa 80 Millionen Euro – eine Steigerung um 60 Prozent.
Gründe für die Kostensteigerung
Als Hauptgründe für die Kostensteigerung nannte die BVG gestiegene Baupreise, höhere Anforderungen an den Lärmschutz sowie zusätzliche technische Anpassungen. „Die ursprünglichen Kalkulationen aus den 90ern ließen sich nicht mehr aufrechterhalten. Wir mussten auf aktuelle Standards reagieren“, so der Sprecher. Zudem hätten Verzögerungen bei der Planung zu höheren Finanzierungskosten geführt.
Die S15 verkehrt tagsüber im 10-Minuten-Takt und wird von der BVG als wichtiger Lückenschluss im Berliner S-Bahn-Netz bezeichnet. „Die neue Linie verbessert die Anbindung des Wedding an den Hauptbahnhof erheblich und verkürzt die Reisezeit für viele Fahrgäste“, betonte ein BVG-Sprecher.
Reaktionen aus der Politik
Berlins Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) begrüßte die Inbetriebnahme der S15. „Die Linie ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs in Berlin. Dass die Planungen so lange gedauert haben, ist bedauerlich, aber die Strecke ist nun endlich Realität“, sagte sie. Die Kostensteigerung sei jedoch ein Zeichen dafür, dass Infrastrukturprojekte in Deutschland schneller umgesetzt werden müssten.
Kritik kam von der Opposition. Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Antje Kapek, nannte die Verzögerungen „ein Armutszeugnis für die Planungsbürokratie“. Die Kostenexplosion sei vermeidbar gewesen, wenn die Politik früher gehandelt hätte.
Ausblick
Die BVG plant bereits weitere Verbesserungen im S-Bahn-Netz. Ob es weitere Linien mit ähnlich langer Planungsgeschichte geben wird, bleibt abzuwarten. Zunächst steht die S15 im Fokus: Sie soll den Nahverkehr zwischen Wedding und der Innenstadt nachhaltig entlasten.



