Der Wettbewerb um eine der geheimsten Baustellen Berlins ist entschieden: Am Landwehrkanal entsteht für Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ein gewaltiger Erweiterungsbau. Die Kosten für das Projekt nach Plänen des Architekturbüros Sauerbruch Hutton belaufen sich auf mindestens 416 Millionen Euro. Der Neubau am Reichpietschufer wird den bestehenden Dienstsitz um rund 35.000 Quadratmeter erweitern – mehr Fläche als das Reichstagsgebäude, das auf etwa 13.300 Quadratmetern bebaute Fläche kommt.
Strikte Sicherheitsvorkehrungen von Anfang an
Schon die Planung unterliegt höchsten Geheimhaltungsstufen. Zugelassen waren ausschließlich Architekturbüros mit Sitz in Deutschland. Sämtliche Unterlagen dürfen während der gesamten Bauphase nicht ins Ausland gelangen. Mitarbeiter mit doppelter Staatsangehörigkeit aus sicherheitskritischen Ländern sind von dem Projekt ausgeschlossen – aktuell betrifft das 26 Staaten, darunter Afghanistan, China und Vietnam. Diese Auflagen entsprechen denen, die auch beim Ausbau des Kanzleramtes gelten. Bereits die Ausschreibung wurde als Verschlusssache eingestuft.
Der Bendlerblock, das historische Herzstück des Areals, dient seit 1993 als zweiter Dienstsitz des Verteidigungsministeriums mit rund 1600 Mitarbeitern. Der Bau war in der NS-Zeit ein Zentrum des militärischen Widerstands: Hier wurde der Umsturzversuch gegen Hitler geplant. Eine Gedenkstätte im Innenhof erinnert an die Widerstandsgruppe des 20. Juli 1944. Am östlichen Rand befindet sich zudem ein Denkmal für gefallene Bundeswehrsoldaten. Erster Dienstsitz des Ministeriums bleibt die Bonner Hardthöhe mit 1400 Beschäftigten.
Neue Mitte mit Paradeplatz und Kantine
Die Erweiterung am Reichpietschufer dient nicht nur der Schaffung zusätzlicher Bürofläche. Das gesamte Areal im Ortsteil Tiergarten wird neu geordnet. Geplant ist unter anderem ein Paradeplatz zwischen der Staatgästetreppe und dem Ehrenmal. Die Pläne sehen außerdem eine moderne Kantine und Tiefgaragen vor. Der Baustart steht noch nicht fest. Die Architekten Sauerbruch Hutton sind bekannt für ihre markanten Bauten, etwa das Umweltbundesamt in Dessau oder das Berliner Justiz- und Verwaltungszentrum.
Die Investition von 416 Millionen Euro unterstreicht den Stellenwert des Standorts Berlin für das Verteidigungsministerium. Angesichts der sicherheitspolitischen Lage und der wachsenden Bedeutung der Hauptstadt als Regierungssitz ist mit einer zügigen Umsetzung zu rechnen, auch wenn ein genauer Zeitplan bislang nicht kommuniziert wurde.



