Rader Hochbrücke: Freigabe für Autos erst Ende 2026
Rader Hochbrücke: Autos rollen frühestens Ende 2026

Rendsburg (dpa/lno) – Trotz des erfolgreichen Brückenschlusses hoch über dem Nord-Ostsee-Kanal bei Rendsburg werden Fahrzeuge frühestens gegen Ende des Jahres über die neue Rader Hochbrücke rollen. Zwar verbindet das Bauwerk nach dem Einsetzen des Mittelteils beide Kanalseiten, doch bis zur Verkehrsfreigabe ist noch etliches notwendig. „Die Arbeiten laufen weiter“, sagte Ulf Evert, Sprecher der bundeseigenen Projektmanagementgesellschaft Deges, der Deutschen Presse-Agentur.

Brückenschluss mit Hindernissen

Das 118 Meter lange und 1.250 Tonnen schwere Mittelteil war im Rendsburger Kanalhafen entstanden und dort am Dienstag auf einen Spezial-Ponton verladen worden. Von dort wurde das Mittelstück am Mittwochabend auf dem Wasser unter den bereits bestehenden Brückenenden auf beiden Kanalseiten in Stellung gebracht. In der Nacht hoben Hydraulik-Pressen das Teil an, und am Morgen wurde es in rund 50 Metern Höhe eingesetzt.

Kurz vor Schluss mussten die Experten jedoch improvisieren. „Das Stück hat gepasst“, sagte Evert. Weil Stahl sich bei Wärme ausdehne, hätten erwartete hohe Temperaturen in den kommenden Tagen Druck auf das Mittelstück erzeugt. „Und aus dem Grund haben wir uns entschlossen, auf der Nordseite vom Mittelstück quasi eine Scheibe abzuschneiden, zu trennschleifen.“ Um 9.52 Uhr war der Brückenschluss geschafft, der Kanal konnte danach wieder für die Schifffahrt freigegeben werden.

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Wann rollen die ersten Autos?

Nach Deges-Angaben soll die neue Brücke Ende des Jahres für den Verkehr in beiden Richtungen freigegeben werden. Ein genaues Datum nennt die Projektmanagementgesellschaft nicht. Ist der Verkehr freigegeben, soll der Abriss der alten Brücke starten und 2028 an gleicher Stelle der Bau der zweiten neuen Brücke beginnen. Gebaut wird bei laufendem Verkehr. Auf der ersten neuen Brücke stehen dann zwei Fahrstreifen je Fahrtrichtung zur Verfügung. Kurzzeitige Verkehrseinschränkungen sind nach Deges-Angaben aber nicht zu vermeiden.

Warum dauert es noch?

Auf der Südseite der Brücke fehlen noch Betonteile. Danach kommt der Asphalt auf die Fahrbahn. Zudem müssen Geländer angebaut werden. Auf insgesamt 6,9 Kilometern werden Lärm- und Windschutzwände errichtet – 26.000 Quadratmeter Lärmschutz sind geplant, das entspricht der Fläche von mehr als fünf Fußballfeldern. Der Lärmschutz soll auch die Windströme auf der Fahrbahn verringern. Außerdem erfolgt auf der gesamten Strecke zwischen der A7-Anschlussstelle Büdelsdorf nördlich des Kanals und dem Autobahnkreuz Rendsburg im Süden ein Ausbau auf drei Spuren je Fahrtrichtung.

Warum wird gebaut?

Im Sommer 2013 hatten Experten bei einer Routineprüfung der aktuell genutzten Brücke starken Verschleiß an den Betonelementen festgestellt. Sachverständige bescheinigten eine Restnutzungsdauer nur noch bis Ende 2026. Über die von 1969 bis 1972 erbaute, knapp 1.500 Meter lange Brücke rollen laut Deges mittlerweile 54.000 Fahrzeuge am Tag. Für 2030 wird mit 61.900 Fahrzeugen gerechnet. Eine weitere Ertüchtigung wäre demnach keine langfristige Lösung gewesen.

Kosten und Nutzungsdauer

Insgesamt kostet das Projekt nach bisheriger Schätzung knapp 900 Millionen Euro, davon 307 Millionen Euro für den im Bau befindlichen Brückenteil. Der Rest entfällt auf den dreistreifigen Ausbau der Strecke, den Abriss der alten Rader Hochbrücke und den Bau der zweiten neuen Brücke an gleicher Stelle. Diese soll 2031 fertig werden.

Projektleiter Martin Steinkühler sagt: „Es ist eine Nutzungsdauer von 100 Jahren möglich. Wenn es in Schleswig-Holstein kein Erdbeben gibt.“ Er verweist auf Unterschiede in der Bauart. Während bei der alten Rader Hochbrücke 330 Kilogramm Stahl je Quadratmeter verbaut seien, komme die neue Brücke auf 550 Kilogramm je Quadratmeter. Zudem liege eine Betonplatte auf ihr. Die Unterschiede in der Bauart sind vom Boden aus gut zu erkennen.

Keine Radwege auf der Brücke

Radwege führen nicht über die neue Brücke. Neben den unverhältnismäßigen Kosten und technischen Vorkehrungen verweist die Deges auf die Akzeptanz der Streckenführung. Radfahrende müssten 50 Höhenmeter mit konstantem Anstieg hinter sich bringen. Zudem fehlen Radstrecken, die sich anschließen und über die Brücken geführt werden könnten.

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