Mehr als ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland trinkt laut einer aktuellen Umfrage im Sommer 2026 gerne Aperol Spritz. Damit hat sich der orange-rote Drink vom Geheimtipp zum Volksgetränk entwickelt und die einstige Biernation in eine Aperölchen-Republik verwandelt. Sogar ein eigener Schlager besingt den Kult-Drink: „Ich trink’ heut, das ist kein Witz – Aperol, Aperol, Aperol Spritz“.
Der Siegeszug des Aperol Spritz
Der Aperol Spritz stammt aus Italien und war in Venetien jahrzehntelang ein populärer Aperitif. Aperol, ein Likör aus Rhabarber, Blutorange, Gelbem Enzian, Chinarinde, Kräutern, Zucker und Farbstoff, wurde 1919 von zwei Brüdern in Padua erfunden. Seit dem Verkauf an die Campari Group im Jahr 2003 setzt der Konzern in seiner globalen Marketingstrategie voll auf den Spritz.
Das Rezept ist einfach: Weißwein oder Prosecco auf Eis, Aperol-Likör, etwas Soda und ein Stück Orangenschale. In Deutschland begann der Trend etwa 2006, als Urlauber den Drink aus Italien mitbrachten. Von München, der im Klischee „nördlichsten Stadt Italiens“, breitete sich der Trend über die ganze Republik aus. Der flächendeckende Durchbruch in Handel und Gastronomie erfolgte ab etwa 2010.
Vom Aperitif zum Allround-Getränk
Gut ein Jahrzehnt später wurde der Aperol Spritz zum Kulturgut mit eigenen Liedern, wie etwa „Aperol im Glas“ von Lea und 01099 aus dem Jahr 2023. Der Song von Vincent Gross, veröffentlicht im Mai 2024, wurde im „ZDF Fernsehgarten“ gefeiert und trug zur weiteren Popularität bei. Der Drink ist nicht mehr nur Aperitif, sondern wird zu vielen Gelegenheiten getrunken.
Laut einer YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2014 war der Hugo – Prosecco, Holunderblüten-Sirup, Minze, Mineralwasser – der beliebteste Sommerdrink. Der Aperol Spritz landete damals nur auf Platz drei. Heute sieht das anders aus: 37 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer trinken gerne Aperol Spritz. 17 Prozent der Frauen genießen ihn sogar zu allen Jahreszeiten, 20 Prozent bevorzugen ihn in warmen Jahreszeiten.
Warum die Deutschen umsteigen
Marketing-Strategen der Campari Group haben herausgefunden, dass viele Fans vom Bier, das in Deutschland an Beliebtheit verliert, zum Aperol Spritz wechseln. Der Drink hat einen anhaltenden Buzz und gilt als moderner Klassiker. Auch Prominente wie Soap-Star Ania Niedieck („Alles was zählt“) schwören auf den Drink: „Wenn ich mir abseits von Wasser oder Softdrinks ein alkoholisches Getränk bestelle, dann gibt es für mich keine Experimente: Ich nehme da ausnahmslos Aperol Spritz.“
Die 42-Jährige trinkt sonst fast keinen Alkohol, weil ihr andere Getränke nicht schmecken. „Bier trinke ich im Grunde nur ein einziges Mal im ganzen Jahr, und zwar aus reinem Pflichtbewusstsein an Karneval“, sagt sie. „Ich habe jahrelang gar keinen Alkohol angerührt, bis ich vor drei Jahren das erste Mal einen Aperol probiert habe und mir dachte: ‚Mensch, das ist ja mal richtig lecker!‘ Seitdem trinke ich wirklich nichts anderes mehr.“
Zukunft des Trends
Ob der Aperol Spritz seinen Status als Sommerdrink Nummer eins behaupten kann, bleibt abzuwarten. Mit alkoholfreien Varianten und Imitaten reagiert der Markt auf die Nachfrage. Der Drink hat sich jedenfalls fest in der deutschen Trinkkultur etabliert – und das Lied von Vincent Gross bleibt im Ohr: „Kein'n Glühwein und kein'n Hugo und auch keinen Ouzo.“



