Im Streit um die Zukunft der Rente mit 63 formiert sich Widerstand gegen Kanzler Friedrich Merz und die Rentenkommission. Sieben von 16 Ministerpräsidenten – darunter die SPD-Landeschefin Manuela Schwesig aus Mecklenburg-Vorpommern und die saarländische Regierungschefin Anke Rehlinger – sprechen sich klar für den Erhalt der abschlagsfreien Frührente aus. Die Kommission hatte vorgeschlagen, die Rente mit 63 abzuschaffen, weil sie das Rentensystem zu stark belaste.
Wachsende Zahl an Beziehern
Die Rente mit 63 ermöglicht Arbeitnehmern nach 45 Beitragsjahren den abschlagsfreien vorzeitigen Ruhestand. Die Altersgrenze liegt je nach Geburtsjahrgang zwischen 63 und 64 Jahren und vier Monaten. Im Mai 2026 bezogen laut Deutscher Rentenversicherung 2,9 Millionen Menschen diese Rente – rund 230.000 mehr als im Vorjahr. Innerhalb von fünf Jahren stieg die Zahl der Bezieher um 68,6 Prozent: Im Mai 2021 waren es noch 1,72 Millionen.
Die Kosten explodieren parallel: Allein im Mai 2026 zahlte die Rentenkasse 5,63 Milliarden Euro für die Rente mit 63 aus – 640 Millionen Euro mehr als im Mai 2025. Laut Statistischem Bundesamt gab es 2025 insgesamt 22,5 Millionen Rentenempfänger in Deutschland, 168.000 mehr als im Vorjahr.
Rehlinger: Respekt vor Lebensleistung
Anke Rehlinger, stellvertretende SPD-Vorsitzende, begründete ihre Ablehnung der Abschaffung gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Ich lehne den aktuellen Vorschlag an dieser Stelle ab, weil er dem Respekt vor der Lebensleistung von Menschen widerspricht.“ Sie steht damit im Gegensatz zu Kanzler Friedrich Merz (CDU) und der Rentenkommission, die die Rente mit 63 für zu teuer halten.
Die Bertelsmann Stiftung hat berechnet, dass die Durchschnittsrente eines besonders langjährig Versicherten bei einer Abschaffung um 6,6 Prozent niedriger ausfallen würde. 2025 zahlte die Rentenversicherung insgesamt 61,5 Milliarden Euro für die Rente mit 63 aus. Würden die Ausgaben um 6,6 Prozent sinken, ergäbe sich eine jährliche Ersparnis von rund vier Milliarden Euro.
Kritik aus der Wirtschaft
Wolfgang Steiger, Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrates, warnt jedoch vor den Folgen einer Fortführung: Befürworter „neigen dazu, die Finanzierungsgerechtigkeit auszublenden – und das in einer Zeit, in der die Alterung der Gesellschaft die Rentenkasse ohnehin vor massive Herausforderungen stellt“. Wer solche Leistungen verspreche, müsse ehrlich sagen, „dass diese Rechnung von den Beitrags- und Steuerzahlern von heute und morgen bezahlt wird“.
Der Streit dürfte die Koalition noch länger beschäftigen. Die Ministerpräsidenten, die sich gegen die Abschaffung stellen, kommen aus SPD und CDU – darunter auch drei ostdeutsche CDU-Regierungschefs. Sie fordern, die Rente mit 63 beizubehalten, um die Lebensleistung der Arbeitnehmer zu würdigen.



