Echte Streifenwagen im „Tatort“ – doch während die Polizei ihre Fahrzeuge kostenlos verleiht, zahlen die Steuerzahler und ein privater Ausrüster kämpft ums Überleben. In Bremen und im Saarland bestätigen die Behörden gegenüber BILD, dass sie ihre Einsatzfahrzeuge unentgeltlich für die Kult-Krimireihe zur Verfügung stellen. Die Teamwork-Filmservice GmbH, ein auf Filmrequisiten spezialisiertes Unternehmen, verliert dadurch massive Umsätze und hat bereits Kurzarbeit angemeldet.
Kostenloser Verleih belastet Steuerzahler und private Anbieter
Die Praxis der Polizei, Streifenwagen ohne Kostenberechnung für TV-Produktionen zu leihen, sorgt für Kritik. Während die öffentliche Hand auf Einnahmen verzichtet, müssen private Firmen wie die Teamwork-Filmservice GmbH Umsatzeinbußen hinnehmen. Das Unternehmen, das normalerweise Fahrzeuge und Ausrüstung für Filmproduktionen stellt, hat infolge der kostenlosen Konkurrenz durch die Polizei Kurzarbeit für seine Mitarbeiter beantragt. „Wir verlieren Aufträge, weil Produktionsfirmen lieber echte Polizeiautos nehmen, die nichts kosten“, so ein Sprecher des Unternehmens.
Polizei begründet Leihgaben mit Imagepflege und Kooperation
Die Polizei in Bremen und im Saarland rechtfertigt die kostenlose Bereitstellung der Fahrzeuge mit dem hohen Werbewert und der positiven Imagewirkung der „Tatort“-Reihe. „Die Zusammenarbeit mit dem ‚Tatort‘ stärkt das Vertrauen in die Polizei und zeigt die Arbeit der Beamten authentisch“, erklärte ein Sprecher der Bremer Polizei. Zudem sei die Nutzung der Fahrzeuge zeitlich begrenzt und erfolge außerhalb des regulären Dienstbetriebs. Kritiker sehen darin jedoch eine Wettbewerbsverzerrung zu Lasten privater Anbieter und letztlich der Steuerzahler, die die Kosten für Wartung und Verschleiß der Fahrzeuge tragen.
Andere Bundesländer handhaben TV-Anfragen unterschiedlich
Während Bremen und das Saarland auf eine Kostenbeteiligung verzichten, gehen andere Bundesländer anders vor. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise verlangt die Polizei eine Gebühr für die Bereitstellung von Einsatzfahrzeugen für Filmproduktionen. „Wir kalkulieren die Kosten für Personal, Fahrzeugnutzung und Verwaltungsaufwand und stellen sie den Produktionsfirmen in Rechnung“, so ein Sprecher der Polizei NRW. Auch in Bayern werden Gebühren erhoben, die sich an den tatsächlichen Kosten orientieren. Die unterschiedlichen Regelungen führen zu einer ungleichen Wettbewerbssituation für private Ausrüster, die bundesweit tätig sind.
Schaden für private Ausrüster: Kurzarbeit und Umsatzverluste
Die Teamwork-Filmservice GmbH, die unter anderem Polizeifahrzeuge für Filmproduktionen vermietet, verzeichnet seit Jahren rückläufige Aufträge. „Seitdem die Polizei ihre Fahrzeuge kostenlos anbietet, haben wir einen Umsatzrückgang von rund 30 Prozent zu verzeichnen“, berichtet der Geschäftsführer. Die Firma musste bereits Kurzarbeit für einen Teil der Belegschaft anmelden. „Wir fordern eine faire Wettbewerbsregelung: Entweder die Polizei berechnet marktübliche Preise oder sie stellt die kostenlose Vergabe ein“, so der Geschäftsführer weiter. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht ebenfalls Handlungsbedarf und plädiert für eine bundeseinheitliche Regelung.
Hintergründe: Wie die kostenlose Vergabe zustande kommt
Die kostenlose Bereitstellung von Streifenwagen für den „Tatort“ hat in Bremen und im Saarland eine lange Tradition. Die Entscheidung wird auf Ebene der Polizeiführung getroffen, oft in Absprache mit den zuständigen Innenministerien. Formal handelt es sich um eine Amtshilfe, für die keine Gebühren anfallen. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Grenze zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Wettbewerbsverzerrung fließend sei. „Die Polizei sollte sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren und nicht in Konkurrenz zu privaten Dienstleistern treten“, sagt ein Steuerrechtsexperte. Die Debatte um die Kosten für den Steuerzahler und die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt wird in den kommenden Wochen wohl anhalten.



