Der Tourismus auf Teneriffa hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Im Jahr 2023 besuchten über sechs Millionen Touristen die größte der Kanarischen Inseln. Wer die atemberaubende Vulkanlandschaft, die goldenen Strände und das milde Klima genießen möchte, ohne sich durch Menschenmassen zu drängen, findet auf anderen Inseln ähnliche Erlebnisse. Wir stellen fünf Alternativen vor, die ebenso schön, aber deutlich weniger überlaufen sind.
La Palma: Die grüne Insel mit Sternenhimmel
La Palma, auch bekannt als „Isla Bonita“, liegt westlich von Teneriffa und ist ein Paradies für Wanderer und Naturliebhaber. Die Insel ist berühmt für ihren dichten Lorbeerwald im Nationalpark Caldera de Taburiente und die vulkanischen Landschaften im Süden. Mit nur etwa 85.000 Einwohnern und rund 200.000 Touristen pro Jahr ist La Palma ein Geheimtipp.
Besonders beeindruckend ist der Sternenhimmel über La Palma: Das Observatorium Roque de los Muchachos auf 2.400 Metern Höhe gehört zu den besten Standorten der Welt für Astronomie. Die Insel wurde von der UNESCO als Biosphärenreservat und „Starlight Reserve“ ausgezeichnet. Wanderer können auf dem GR131 die gesamte Insel durchqueren, vorbei an Kiefernwäldern, Mandelbäumen und schwarzen Sandstränden.
Madeira: Perlenkette im Atlantik
Die portugiesische Insel Madeira wird oft als „Blumeninsel“ bezeichnet und bietet eine üppige Vegetation, steile Klippen und malerische Levadas – Bewässerungskanäle, die zu den schönsten Wanderwegen führen. Im Vergleich zu Teneriffa ist Madeira mit rund 250.000 Touristen jährlich deutlich ruhiger, obwohl sie ebenfalls ein beliebtes Ziel ist.
Die Hauptstadt Funchal lockt mit ihren botanischen Gärten, der Seilbahn und dem berühmten Markt Mercado dos Lavradores. Aktivurlauber kommen beim Canyoning in den Gebirgsbächen oder beim Küstenwandern auf dem Vereda do Arieiro auf ihre Kosten. Im Dezember erstrahlt Madeira im Lichterglanz des Weihnachtszaubers – ein Spektakel, das Teneriffa nicht zu bieten hat.
Lanzarote: Vulkanische Wüste und Kunst
Lanzarote, die östlichste der Kanaren, ist geprägt von einer einzigartigen Vulkanlandschaft. Der Timanfaya-Nationalpark zeigt beeindruckende Krater und Lavafelder, die an eine Mondlandschaft erinnern. Mit etwa 150.000 Touristen pro Jahr ist Lanzarote weniger überlaufen als Teneriffa, bietet aber dennoch eine gute Infrastruktur.
Kunstliebhaber sollten die Werke von César Manrique entdecken, der die Insel mit seinen architektonischen Kreationen wie dem Jameos del Agua und dem Mirador del Río prägte. Die Strände von Papagayo im Süden laden zum Entspannen ein, während Surfer im Norden ideale Bedingungen finden. Auch kulinarisch hat Lanzarote einiges zu bieten: Der Wein aus der Region La Geria wird in Vulkanasche angebaut und ist weltweit einzigartig.
El Hierro: Die kleinste und nachhaltigste Insel
El Hierro ist die kleinste der Kanarischen Ineln und gilt als Vorreiter für erneuerbare Energien. Die gesamte Insel wird zu 100 Prozent aus Wind- und Wasserenergie versorgt, was sie zu einem Vorbild für nachhaltigen Tourismus macht. Mit nur rund 10.000 Einwohnern und weniger als 50.000 Touristen pro Jahr ist El Hierro ein Ort der Ruhe und Ursprünglichkeit.
Die Unterwasserwelt rund um die Insel ist ein Paradies für Taucher, denn hier befindet sich eines der größten Meeresschutzgebiete Europas. An Land führen Wanderwege durch Wacholderwälder, vorbei an Vulkankegeln und hinunter zu einsamen Badebuchten. Die kleine Hauptstadt Valverde ist die einzige Hauptstadt der Kanaren, die nicht am Meer liegt – ein kurioses Detail, das Besucher überrascht.
Kapverden: Exotik vor der Küste Afrikas
Wer eine längere Anreise nicht scheut, findet auf den Kapverdischen Inseln eine exotische Alternative zu Teneriffa. Die Inselgruppe vor der Westküste Afrikas bietet ganzjährig warme Temperaturen, weiße Sandstrände und eine entspannte Atmosphäre. Besonders die Insel Sal ist für ihre Traumstrände bekannt, während Santiago mit ihrer kreolischen Kultur und Musik überzeugt.
Die Kapverden sind mit etwa 600.000 Touristen pro Jahr noch ein Geheimtipp, obwohl die Zahl in den letzten Jahren steigt. Wer den Massentourismus vermeiden möchte, sollte die Inseln São Nicolau oder Fogo besuchen, wo der Vulkan Pico do Fogo mit 2.829 Metern zum Besteigen einlädt. Die lokale Küche mit frischem Fisch und Cachupa, einem Eintopf aus Mais und Bohnen, ist ein kulinarisches Erlebnis.
Fazit: Weniger ist manchmal mehr
Ob La Palma, Madeira, Lanzarote, El Hierro oder die Kapverden – alle fünf Inseln bieten eine beeindruckende Natur, die der Teneriffas in nichts nachsteht. Sie sind weniger überlaufen, nachhaltiger und ermöglichen ein authentischeres Reiseerlebnis. Wie der Tourismusexperte Klaus Müller von der Universität Trier betont: „Die Zukunft des Tourismus liegt in der Qualität, nicht in der Quantität. Reisende suchen zunehmend nach Orten, die ihre Identität bewahren und nicht von Massen überrannt werden.“ Wer also dem Trubel entfliehen möchte, trifft mit diesen Alternativen die richtige Wahl.



