In Dessau-Roßlau hat der Kabarettist Uwe Steimle auf einer AfD-Veranstaltung die Hymne der DDR angestimmt – und AfD-Chef Tino Chrupalla sowie der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, stimmten ein. Der Vorfall ereignete sich am Ende einer Podiumsdiskussion zum Thema Frieden, an der auch die ehemalige Grünen-Politikerin Hermenau teilnahm. Chrupalla hatte Steimle zuvor gebeten, die Nationalhymne zu singen, mit den Worten: „Das machen wir immer in Sachsen-Anhalt.“
Steimle singt „Auferstanden aus Ruinen“
Statt der deutschen Nationalhymne „Das Lied der Deutschen“ intonierte Steimle jedoch die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“. Chrupalla versuchte zunächst, zu intervenieren, gab aber auf, als Steimle unbeirrt weitersang. Beide AfD-Politiker lächelten und sangen teilweise gemeinsam mit den Besuchern das Lied aus der Zeit der SED-Diktatur. Steimle schloss mit den Worten: „Ich kann nur die Hymne.“ Er kündigte an, auch die deutsche Hymne zu singen, betonte aber, der Text der DDR-Fassung sei „so großartig und jedes Wort stimmt, als wäre es heute, und das ist bei großen Sachen eben immer so, die sind allgemeingültig“. Er fügte hinzu: „Wir gehören zusammen, wir sind Deutsche, Ende der Debatte.“ Anschließend stimmte Chrupalla die deutsche Nationalhymne an, die auch Steimle mitsang.
Kanzleramtschef Frei kritisiert Auftritt scharf
Bei der CDU stieß das Verhalten auf deutliche Kritik. Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) sagte dem Sender WeltTV: „Ich finde das extrem befremdlich.“ Dies gelte insbesondere dann, „wenn das von politischen Repräsentanten gemacht wird, die damit ja ganz offensichtlich auch politische Botschaften verbinden möchten“. Frei forderte, man müsse in Ost und West „das Gemeinsame betonen“.
Hintergrund: Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am 6. September statt. Chrupalla, Siegmund und Steimle hatten bei der Diskussion in Dessau-Roßlau über das Thema Frieden debattiert. Die AfD liegt in Umfragen in Sachsen-Anhalt derzeit bei rund 20 Prozent. Der Auftritt mit der DDR-Hymne könnte im Wahlkampf für zusätzliche Diskussionen sorgen.



