AfD in der Krise: Brandbriefe gegen Weidel und Chrupalla
AfD-Krise: Brandbriefe gegen Weidel und Chrupalla

In der AfD rumort es gewaltig. Gleich zwei Brandbriefe aus den eigenen Reihen setzen die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla massiv unter Druck. Wie der „Spiegel“ berichtet, werfen langjährige Mitglieder der Parteiführung vor, die innerparteiliche Demokratie ausgehöhlt zu haben. Statt Basisdemokratie herrsche nun eine „autokratische Funktionärspartei“, geprägt von Vetternwirtschaft, Machtmissbrauch und sogar „innerparteilichen Goebbels-Methoden“.

Schwere Vorwürfe aus Baden-Württemberg

Der erste Brandbrief stammt von Rüdiger Klos, einem 65-jährigen ehemaligen Landtagsabgeordneten aus Baden-Württemberg und Gründungsmitglied des dortigen Landesverbandes. Er zeichnet ein düsteres Bild einer Partei, die mit Rechtsstaatlichkeit und innerparteilicher Demokratie gebrochen habe. Konkret wirft er dem Landesvorsitzenden Markus Frohnmaier und Emil Sänze vor, Kritiker systematisch mundtot zu machen. Klos spricht von „sektenartigen Zuständen“ und beklagt, dass der Vorstand um Weidel die Landesgeschäftsstelle in einem „chaotischen Zustand“ hinterlassen habe. Sein vernichtendes Fazit: „Diese AfD ist wegen ihrer antidemokratischen innerparteilichen Strukturen und der Negativauslese ihrer Kandidaten zu einer Gefahr für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung geworden.“

Zwei Kreisverbände erheben Anschuldigungen

Auch Mitglieder zweier Kreisverbände melden sich zu Wort. Auf sechs Seiten empören sie sich über „moralische Selbstverlotterung“, eine „Kultur der skrupellosen Selbstbedienung“ und die Dominanz von „Machtcliquen“. Sie fordern eine unabhängige Prüfung der Landesfinanzen und einer Erbschaft. Zudem verlangen sie einen außerordentlichen Mitgliederparteitag mit Neuwahl des Landesvorstands sowie ein Mitgliederforum. Hintergrund des Briefes: Ein früherer Schatzmeister des Kreisverbands Stuttgart soll sich am Parteikonto bereichert haben. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein, weil die Person verstorben ist.

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Erinnerungen an Sachsen-Anhalt

Die aktuelle Debatte erinnert an Vorgänge Anfang des Jahres in Sachsen-Anhalt. Damals stand die Partei wegen der Anstellung von Verwandten in Abgeordnetenbüros in der Kritik – auch aus dem eigenen Lager. Der rechte Vordenker Götz Kubitschek urteilte damals: „Der Schaden ist schon da, die Glaubwürdigkeit hat einen Riss.“ Björn Höcke teilte diesen Artikel auf X und kommentierte: „Wir können nur an uns selbst scheitern. Aber dieses Scheitern gerät in den Bereich des Möglichen.“

Frohnmaier weist Vorwürfe zurück

Markus Frohnmaier weist die aktuellen Vorwürfe entschieden zurück. Rüdiger Klos handele „aus persönlicher Verbitterung“, die Anschuldigungen seien „objektiv falsch“. Zumindest die Delegierten des Landesparteitags am Wochenende konnte er überzeugen: Sie bestätigten Frohnmaier mit mehr als 91 Prozent im Amt – dem besten Ergebnis eines AfD-Landeschefs in Baden-Württemberg.

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