Weidel mit Rekordergebnis, Chrupalla verliert deutlich
Beim Bundesparteitag der AfD in Erfurt hat Alice Weidel mit 81,3 Prozent der Delegiertenstimmen ein deutlich besseres Ergebnis erzielt als ihr Co-Vorsitzender Tino Chrupalla. Weidel verbesserte sich im Vergleich zum Parteitag 2024 in Essen, wo sie 79,77 Prozent erhielt. Chrupalla hingegen musste einen erheblichen Dämpfer hinnehmen: Er wurde mit nur 70,05 Prozent bestätigt, nachdem er 2024 noch 82,72 Prozent erzielt hatte. Beide traten ohne Gegenkandidaten an.
Parteitag startet trotz massiver Proteste pünktlich
Der AfD-Parteitag begann am Samstag um 10 Uhr planmäßig in den Erfurter Messehallen. Zuvor hatten Aktivisten des Bündnisses „Widersetzen“ versucht, die Anreise der Delegierten durch Sitzblockaden auf der Autobahn A71 und der Bundesstraße B7 zu verhindern. Die Polizei Thüringen zählte zeitweise bis zu 20.000 Demonstranten, das Bündnis hatte mit 50.000 bis 80.000 gerechnet. Trotz der Blockaden erreichte ein Großteil der Delegierten frühzeitig die Halle, da viele bereits in der Nacht angereist waren.
Höcke: Brandmauer gescheitert – Angriff auf Zivilgesellschaft
Thüringens AfD-Chef Björn Höcke erklärte in seiner Rede, die „Brandmauer“ gegen seine Partei sei gescheitert. „Die Brandmauer hat uns groß gemacht“, sagte der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Politiker. Er drohte der „bunten Zivilgesellschaft“: „Wenn wir regieren, dann wird der bunten Zivilgesellschaft der Steuerstecker gezogen.“ Zuvor hatte Höcke auf Druck der Parteispitze einen Antrag zur Überarbeitung der Unvereinbarkeitsliste mit extremistischen Organisationen zurückgezogen.
Weidel: AfD ist die neue Volkspartei
Alice Weidel bezeichnete die AfD in ihrer Rede als „die neue Volkspartei in Deutschland“ und als „politischen Taktgeber im Bund“. Sie verwies auf den Mitgliederzuwachs von 50.000 auf 75.000 und zeigte sich zuversichtlich, bald die 100.000-Marke zu knacken. „Ihr werdet uns nicht kleinkriegen! Ganz im Gegenteil, wir werden immer stärker und größer!“, rief sie den Delegierten zu. Weidel forderte die Partei auf, das Land in Schwarz-Rot-Gold zu tauchen.
Proteste: Ramelow und Fahimi gegen AfD
Thüringens Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) betonte bei einer Protestkundgebung die Weltoffenheit Erfurts. DGB-Chefin Yasmin Fahimi forderte ein Verbotsverfahren gegen die AfD: „Erfurt ist heute ein Ort des Widerstands.“ Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) warnte, die AfD sei kein Ost-Phänomen, sondern bedrohe ganz Deutschland. Die Polizei lobte die Demonstranten für das Freihalten von Rettungswegen.
Blockaden: Gemischte Bilanz der Aktivisten
Das Aktionsbündnis „Widersetzen“ räumte ein, dass der Parteitag nicht verhindert werden konnte, sprach aber von einem Erfolg der Mobilisierung. Ein Teil der Aktivisten löste die Blockaden auf der A71 auf und zog in die Innenstadt. Die Polizei ging überwiegend deeskalierend vor, räumte Blockaden erst nach gescheiterten Gesprächen. Vereinzelt kam es zu kleineren Rangeleien und einem Farbbeutelangriff auf ein AfD-Bürgerbüro.
Ausblick: AfD will Regierungsverantwortung übernehmen
Chrupalla beschwor die Einheit der Doppelspitze und sagte mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern: „Vielleicht können wir bald schon allein regieren.“ Die AfD steht in Sachsen-Anhalt in Umfragen klar auf Platz eins. Der Parteitag wird am Sonntag fortgesetzt, dann stehen weitere Vorstandswahlen an.



