Der Auftritt von AfD-Parteichef Tino Chrupalla, Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und Kabarettist Uwe Steimle, bei dem die DDR-Hymne gesungen wurde, sorgt für parteiinterne Spannungen. Während einige AfD-Granden den Vorgang als harmlos bewerten, üben andere ungewöhnlich scharfe Kritik. Besonders auffällig ist das Schweigen von Co-Chefin Alice Weidel. Chrupalla selbst verteidigt sich: Die Hymne sei nicht verboten und ihr Text schön.
Chrupalla verteidigt sich: DDR-Hymne als Aufruf zur Einheit
AfD-Chef Tino Chrupalla (51) versucht die Vorwärtsverteidigung. Zu BILD sagt er: „Die DDR-Hymne ist nicht verboten – und ich finde deren Text schön und ansprechend. Die Hymne durfte in der DDR ab den 70er-Jahren nicht mehr gesungen werden, da sie einen Aufruf zur Einheit enthält: Deutschland, einig Vaterland. Der Aufruf wurde 1989 zum Motto der friedlichen Revolution, die die SED-Herrschaft beendete. Ich sang den Aufruf in Dessau mit. Das ist sicher kein Skandal.“ Fraglich, ob Chrupalla damit die Debatte vom Tisch räumen kann.
Weidel schweigt: Co-Chefin reagiert nicht auf Anfragen
Wer bisher auf die Anfrage der BILD nicht reagiert hat und auffällig laut schweigt: AfD-Co-Chefin Alice Weidel (47). Die hatte auf dem vergangenen AfD-Parteitag klar die Nase vorn in der Abstimmung um den Parteivorsitz. Chrupalla gilt in Teilen der AfD seitdem als angezählt. Sein Hymnen-Auftritt könnte seine Lage in der Partei verschärft haben.
Siegmund will nicht mitgesungen haben – trotz Videobeweis
Auch der sachsen-anhaltinische Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) bekommt offenbar kalte Füße. Sein Umfeld zu BILD: Siegmund sei von Chrupalla zu der Steimle-Veranstaltung „überredet“ worden. Er fände es gar nicht mehr lustig, wo Chrupalla ihn da hereingeritten habe. Siegmund, so sagt sein Umfeld, habe auch nicht mitgesungen. Doch ein Video der Veranstaltung zeigt, wie Siegmund gemeinsam mit Chrupalla die Hymne singt. Siegmund selbst will sich offiziell nicht mehr äußern.
Scharfe Kritik aus Nordrhein-Westfalen und Hamburg
Besonders scharf fällt die Kritik von Rüdiger Lucassen (74) aus. Der Bundestagsabgeordnete aus NRW bezeichnet das Absingen der DDR-Hymne ausdrücklich nicht als Satire. Er bedauere, dass Tino Chrupalla dies hingenommen und anschließend mitgesungen habe. Ähnlich äußert sich Hamburgs AfD- und Fraktionschef Dirk Nockemann (68): „Ich hätte diese Hymne des Unrechtsstaates DDR auf keinen Fall mitgesungen – Satire hin oder her“, sagt Nockemann zu BILD.
Verhaltene Kritik aus Bayern und Sachsen
Der bayerische AfD-Landeschef Stephan Protschka (48) übt verhaltene Kritik. Er sei über das Singen solcher Lieder „nicht ganz glücklich“. Zugleich könne er den großen Aufreger nicht nachvollziehen. Das Lied sei weder verboten noch grundsätzlich verwerflich. Auf einer eigenen Veranstaltung hätte er ein DDR-Lied allerdings nicht singen lassen. Der NRW-Bundestagsabgeordnete Stefan Keuter (53) nennt die Aktion „unglücklich und unsensibel“. Einen Riesenskandal sehe er dennoch nicht. Gleichzeitig berichtet er von DDR-nostalgischen Tendenzen bei Teilen der ostdeutschen Parteifreunde, die er selbst nicht nachvollziehen könne. Der sächsische Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah (49) fasst seine Bewertung in zwei Worten bei BILD zusammen: „Einfach unsensibel.“



