Alkoholverbot: Deutsche Bahn plant strikte Regelung an allen Bahnhöfen
Alkoholverbot: Bahn plant strikte Regelung an allen Bahnhöfen

Bahnchefin Palla kündigt Alkoholverbot an – „Es reicht“

Die Deutsche Bahn plant ein umfassendes Alkoholverbot an allen 5400 Bahnhöfen in Deutschland. Bahnchefin Evelyn Palla sagte der „Bild“-Zeitung: „Es reicht. Genug ist genug. Wir greifen jetzt noch härter durch. Wir wollen mehr Ordnung und Sicherheit auf unseren Bahnhöfen und in unseren Zügen. Für mich zählt nur eins: der Schutz unserer Kollegen und unserer Reisenden.“ Das Verbot soll demnach für Bahnsteige und Bahnhofshallen gelten, ausgenommen sind die Bahnhofsgastronomien. Die flächendeckende Umsetzung ist bis zum 15. Oktober 2026 vorgesehen. Die Bahn bestätigte die Pläne auf Nachfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Dobrindt zeigt sich offen, aber mit Fragen

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) reagierte grundsätzlich offen auf den Vorstoß. In der Bundespressekonferenz sagte er: „Erst mal ist es aus meiner Sicht ein diskussionswürdiger Vorschlag.“ Er verstehe das Anliegen, mit einem Alkoholverbot das Aggressionspotenzial an Bahnhöfen zu verringern. Allerdings sieht er noch offene Fragen. Die Durchsetzung eines solchen Verbots sei „eine problematische“ Frage. Dobrindt kündigte an, mit Palla über die Grundlage ihres Vorstoßes und mögliche Studien sprechen zu wollen. „Aber es ist keine Idee, die man vom ersten Moment an direkt in die Tonne treten sollte“, betonte der CSU-Politiker.

Gewerkschaft der Polizei begrüßt – fordert aber mehr Personal

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßte die Ankündigung grundsätzlich, äußerte jedoch Bedenken hinsichtlich der Umsetzbarkeit. Der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Alexander Poitz sagte dem Tagesspiegel: „Man habe bereits positive Erfahrungen mit Alkoholverboten in den Bahnhöfen in Bremen und Hamburg gemacht. Dort ist die Zahl der Straftaten auch durch das Verbot zurückgegangen.“ Poitz forderte, dass das Verbot auch in den Zügen gelten müsse. „Die GdP fordert ein konsequent durchgesetztes umfassendes Alkoholverbot.“ Um dies zu erreichen, brauche die Bundespolizei mehr Personal. Auch die Bahn müsse genügend Sicherheitspersonal vorhalten. „Nichts ist schlimmer als ein Vollzugsdefizit“, warnte der Gewerkschafter.

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Bisherige Regelungen und Vorfälle

Bislang gilt ein Alkoholverbot vor allem an großen deutschen Bahnhöfen wie Frankfurt, Hamburg oder Köln. Ein generelles Alkoholverbot in allen DB-Zügen gibt es bisher nicht. Rauchen ist in Zügen grundsätzlich untersagt, auf Bahnhöfen nur in gekennzeichneten Raucherbereichen erlaubt. Die Debatte über Sicherheit in Zügen und an Bahnhöfen wird seit Monaten geführt. Am Freitagabend kam es auf der Strecke von Offenburg nach Karlsruhe zu einem Vorfall, bei dem ein DB-Mitarbeiter schwer verletzt wurde. Hintergrund war offenbar die Fahrkartenkontrolle eines alkoholisierten Mannes. Die genauen Umstände sind noch unklar.

Positive Erfahrungen in Hamburg

Die Deutsche Bahn verspricht sich von dem Alkoholverbot mehr Sicherheit und weniger Streitigkeiten unter Alkoholeinfluss. Am Hamburger Hauptbahnhof, wo der Konsum von Alkohol im April 2024 verboten wurde, ging die Zahl der Konflikte und Auseinandersetzungen spürbar zurück. Das Sicherheitsgefühl für Reisende habe sich verbessert, zudem sei der Reinigungsaufwand zurückgegangen, hieß es damals in einer ersten Bilanz. Wer beim illegalen Alkoholkonsum erwischt wird, muss mit einem sofortigen Platzverweis rechnen. Bei wiederholten Verstößen droht ein dauerhaftes Hausverbot, so die „Bild“.

Durchsetzung durch DB-Sicherheitskräfte und Bundespolizei

Für die Sicherheit an Bahnhöfen sind neben den DB-Sicherheitskräften die Bundespolizei zuständig, die dem Bundesinnenministerium untersteht. Die flächendeckende Umsetzung des Verbots soll durch diese Kräfte erfolgen. Dobrindt betonte, er werde sich der Debatte nicht verwehren, wolle aber mit Palla über die Durchsetzung und die Grundlage des Vorstoßes sprechen.

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