Das Team der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ hat die Entscheidung des Senders, den Auftritt des Rappers Danger Dan und des Starpianisten Igor Levit zu streichen, als „mutlos“ bezeichnet. Auf Instagram schrieben die Moderatoren Claus von Wagner, Max Uthoff und Maike Kühl: „Wir, ‚Die Anstalt‘, distanzieren uns von dieser Entscheidung des ZDF.“ Der Auftritt war für die 100. Ausgabe der Sendung geplant, die sich mit Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie befasst. Danger Dan und Levit sollten dort ihr neues Lied „Keine Angst“ präsentieren. Kurz vor der Aufzeichnung untersagte die ZDF-Geschäftsleitung die Darbietung mit der Begründung, der Liedtext könne als Aufruf zu Gewalt verstanden werden.
Reaktionen aus dem Team und von Gewerkschaften
Die Sendungsmacher betonten, sie hätten es als „öffentlich-rechtliche Pflicht gesehen, das Lied zu präsentieren und danach zu diskutieren“ – gerade in Zeiten zunehmender rechtsextremer Gewalt. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) sprach von einem „schwerwiegenden Eingriff in die redaktionelle Freiheit“. DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster erklärte: „Ob das Lied ausgestrahlt werden sollte oder nicht, entscheidet die Redaktion und niemand sonst.“ Auch die Gewerkschaft Verdi kritisierte den Schritt scharf. Christoph Schmitz-Dethlefsen, im Verdi-Bundesvorstand für Medien und Kultur zuständig, bemängelte, dass mit diesem „Eingriff aus Angst vor möglicher Kritik an einer Satiresendung“ der Redaktion und den Künstlern in den Rücken gefallen werde.
Politische Stimmen und Stellungnahme von Danger Dan
Linkenchef Luigi Pantisano schaltete sich in die Debatte ein und sagte der „Rheinischen Post“: „Ein antifaschistischer Song muss beim ZDF selbstverständlich Sendezeit bekommen. Die Absage an Danger Dan und Igor Levit hinterlässt den Eindruck eines vorauseilenden Gehorsams gegenüber einer rechtsextremen AfD, die die öffentlich-rechtlichen Sender am liebsten abschaffen will.“ Danger Dan selbst äußerte sich gegenüber dem SPIEGEL: „Ich rufe in dem Song niemanden auf, in den kriminellen Untergrund zu gehen. Es geht darum, wie wirksame Antifaschismus-Strukturen aufgebaut werden können. Dafür muss man nicht in den Untergrund, das geht auch aus der Mitte der Gesellschaft.“ Er verabscheue Gewalt, betonte er, aber das Problem sei, dass sie längst politische Realität sei. „Der Staat versagt, und an der Zivilgesellschaft bleibt es hängen.“
Ablauf der Entscheidung und ZDF-Begründung
„Die Anstalt“ habe sich bis zuletzt sehr ins Zeug gelegt, den Auftritt mit Levit möglich zu machen; sogar das ganze Programm sei umgeschrieben worden, um das Lied einzubetten. Als Danger Dan, Levit und sechs weitere Musiker für die Aufzeichnung bereits in München gewesen seien, habe die Intendanz des ZDF ihr Veto eingelegt. Das ZDF erklärte, man sei zu der Bewertung gekommen, dass der Widerspruch zu den ZDF-Programmrichtlinien im Anschluss an die mehr als siebenminütige Liveperformance auf der Bühne nicht mehr aufzulösen gewesen wäre. Vor diesem Hintergrund sei entschieden worden, „sich zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan zu befassen und an einer anderen Stelle im Programm aufzuarbeiten“. Die Sendungsmacher kündigten an: „Wie es aussieht, wenn Sender und Sendung nicht einer Meinung sind, seht ihr in der nächsten Folge der Anstalt am Dienstag, 21. Juli, um 22.15 Uhr im ZDF.“



